Zermatt Marathon

Eigentlich bin ich eher der Flachlandläufer: Ich mag es flach und asphaltiert. Den Zermatt Marathon mit seinen 2’075 Höhenmetern tue ich mir jedoch immer wieder gerne an. Das Matterhorn – oder «Horu», wie es die Einheimischen nennen – ist schlicht mein Lieblingsberg und auf dem zweiten Teil der Strecke omnipräsent. Zum zehnten Mal stand ich an der Startlinie. An keinem anderen Marathon bin ich bislang häufiger gestartet.

Die Anreise nach Zermatt war dieses Mal speziell. Nicht mit dem Zug oder dem Auto (bis Täsch), sondern mit dem Gravelbike ging es nach Zermatt. Seit einer Woche war ich quer durch die Schweiz unterwegs. Für den Wettkampf war das natürlich alles andere als optimal, denn die etwas müden Velobeine waren für diese Herausforderung nicht gerade förderlich. Das war mir bewusst, weshalb ich mein Jubiläumsrennen einfach geniessen wollte. Beim letzten Bergmarathon im Juni im Fürstentum Liechtenstein musste ich zwischendurch ziemlich unten durch. Das wollte ich heute unbedingt vermeiden.

Um 08:33 Uhr ertönte der Startschuss. Meine (Velo-)Beine waren nicht frisch, deshalb lief ich bewusst defensiv an und liess mich von den Konkurrenten nicht zu einem höheren Tempo verleiten. Kurz vor Täsch musste ich eine dreiminütige Zwangspause einlegen, weil die Barriere des Bahnübergangs geschlossen war. Ansonsten lief alles nach Plan, und bei Streckenhälfte erreichte ich Zermatt in knapp unter zwei Stunden.

Unterwegs schweiften meine Gedanken immer wieder zu meinen früheren Teilnahmen. Die Strecke ist seit meinem ersten Start im Jahr 2007 praktisch unverändert geblieben. Deshalb wusste ich genau, was mich noch erwartete.

Sunnegga – etwa bei Kilometer 32 – war erreicht. Die Temperaturen waren angenehm. Mittlerweile war es zwar etwas wärmer geworden, von Hitze waren wir jedoch noch weit entfernt. Ich fühlte mich gut. Meine Beine fühlten sich fast gleich an wie beim Start: zwar nicht frisch, aber auch kaum müder.

Bis zur Riffelalp – Kilometer 39 – führte die Strecke mit leichtem Auf und Ab dahin. Nun stand nur noch das Dessert auf dem Programm. Auf den letzten drei Kilometern hatte ich in der Vergangenheit schon viele leidvolle Minuten erlebt. Heute war das anders. Ich «flog» diesen Abschnitt förmlich hinauf und war dem Runners High so nah wie selten zuvor.

Nach 4 Stunden und 41 Minuten lief ich glücklich und zufrieden über die Zielmatte. Zur Krönung des Tages durfte ich als Zweitplatzierter meiner Altersklasse aufs Podest steigen und ein Stück Walliser Käse mit nach Hause nehmen. Ich freue mich jetzt schon auf meine elfte Teilnahme im Jahr 2027.

Zum Ausruhen blieb allerdings keine Zeit. Bereits am nächsten Tag ging es mit dem Gravelbike von Zermatt über den Furkapass weiter nach Realp. Meine Tour de Suisse ging nahtlos weiter.

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