Mattmark Memorial 1965

Schlechte Wettkampfplanung

Meine Wettkampfplanung war dieses Jahr – gelinde gesagt – etwas suboptimal. Nur eine Woche nach dem Backyard Ultra in Dachsen stand bereits der nächste Wettkampf auf dem Programm: der 45K Mischabel Trail im Saastal mit 45 Kilometern und rund 3’100 Höhenmetern im Auf- und Abstieg.

Dass das nicht unbedingt die vernünftigste Idee meines Läuferlebens war, dürfte auf der Hand liegen.

Zwar gehöre ich durchaus zu den Menschen, die verrückte Dinge mögen und diese gelegentlich auch tatsächlich umsetzen. Aber selbst für meine Verhältnisse war das wohl etwas zu viel des Guten. Zwei Tage vor dem Rennen fühlten sich meine Beine jedenfalls noch alles andere als wettkampftauglich an.

Also entschied ich mich schweren Herzens – beziehungsweise mit ziemlich schweren Beinen –, auf die kürzere Distanz zu wechseln: den Halbmarathon.

21,1 Kilometer mit 761 Höhenmetern sind zwar ebenfalls kein Spaziergang, aber deutlich vernünftiger als ein weiterer Ultralauf. Mein Plan war einfach: Wenn das Laufen nicht funktionieren sollte, würde ich die Strecke eben gemütlich abwandern. Das Zeitlimit von 4 Stunden und 30 Minuten war glücklicherweise grosszügig bemessen.

Zu meiner Verteidigung sei noch erwähnt: Für den Ultra Trail im Saastal hatte ich mich zuerst angemeldet, der Backyard Ultra kam erst später dazu. Dass die beiden Rennen zeitlich etwas gar nahe beieinanderlagen, war mir allerdings schon damals bewusst.

Man könnte also sagen: sehenden Auges ins Verderben. Oder zumindest in schwere Beine.

Der Ursprung des Laufes

Der Mattmark Memorial 1965 ist ein jährlich stattfindender Sportanlass im Saastal. Er erinnert an die schwerste Gletscherkatastrophe der Schweizer Baugeschichte vom 30. August 1965.

Damals lösten sich gewaltige Eis- und Gesteinsmassen vom Allalingletscher und verschütteten ein Barackenlager der Arbeiter beim Bau des Mattmark-Staudamms. 88 Menschen verloren dabei ihr Leben.

Der Lauf verbindet damit sportliche Herausforderung mit dem Gedenken an ein einschneidendes Ereignis der Schweizer Geschichte.

Der Renntag

Das Wochenende im Saastal war gleichzeitig unsere Vereinsreise. Rund 20 Mitglieder des Laufsportvereins Winterthur waren mit dabei. Dank vier verschiedener Kategorien gab es praktisch für jeden Geschmack und jedes Paar Beine die passende Strecke.

Mein Halbmarathon startete erfreulicherweise zu einer durchaus christlichen Zeit: um 10:15 Uhr.

Auf das Einlaufen verzichtete ich bewusst. Meine Beine fühlten sich nämlich auch unmittelbar vor dem Start noch alles andere als frisch an. Zusätzliche freiwillige Kilometer erschienen mir deshalb wenig sinnvoll. Für einmal wollte ich einen Wettkampf bewusst gemütlich angehen.

Das Ergebnis war mir nicht wichtig – auch wenn eine Startnummer natürlich automatisch einen gewissen Jagdinstinkt auslöst.

Auf den ersten zwei bis drei Kilometern durch Saas-Grund hielt ich mich deshalb vornehm zurück. Ich machte unterwegs sogar einige Fotos. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich tatsächlich nicht auf Bestzeitkurs unterwegs war.

Nach dieser verlängerten Einlaufphase fühlten sich meine Beine überraschenderweise etwas besser an. Also erhöhte ich das Tempo leicht.

Die Strecke führte kontinuierlich das Tal hinauf in Richtung Mattmark-Staumauer. Oben angekommen, wartete noch die Runde um den Stausee. Besonders auf den flacheren Passagen konnte ich es richtig rollen lassen.

Und plötzlich lief es deutlich besser, als ich es am Morgen noch erwartet hatte.

Nach etwas mehr als zwei Stunden überquerte ich zufrieden und glücklich die Ziellinie. Angesichts der müden Beine vor dem Start war ich mit diesem Rennverlauf mehr als zufrieden.

Manchmal ist die beste Renntaktik eben tatsächlich, keine Renntaktik zu haben.

Nach dem Lauf wurde der Rest des Wochenendes gemeinsam mit den Vereinskolleginnen und Vereinskollegen gemütlich und – sagen wir – angemessen feuchtfröhlich beendet.

Jetzt ist erst einmal Erholung angesagt

Nach dem Rennen ist bekanntlich vor dem Rennen.

Bevor allerdings die nächsten Wettkämpfe anstehen, gilt es nun erst einmal, die Batterien wieder vollständig aufzuladen und den Beinen etwas Ruhe zu gönnen.

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