
Beim BRN Airport Marathon in Belp betrat ich in mehrfacher Hinsicht Neuland. Noch nie zuvor war ich bei der Premiere eines Laufwettbewerbs am Start, und entsprechend unbekannt war mir auch die Strecke – zumal es keine Streckenmarkierungen gab. Zur Sicherheit lud ich mir den Kurs im Vorfeld auf meine Sportuhr, um mich per Kartenansicht durch Belp und rund um den Flugplatz zu navigieren. Die Sorge, an jeder zweiten Weggabelung stehen bleiben zu müssen, um mich neu zu orientieren, war durchaus präsent. Doch sie erwies sich als unbegründet – nicht zuletzt, weil ich am Vortag die letzten, verwinkelten sieben Kilometer testweise abgelaufen war. So fand ich problemlos meinen Rhythmus, und spätestens auf der zweiten Runde – 1 Runde entspricht 21,1 Kilometern – konnte ich ganz auf die Karte verzichten.
Organisiert wurde der Anlass vom 100 Marathon Club Schweiz – klein, aber fein. Die Strecke präsentierte sich landschaftlich reizvoll und grösstenteils flach, auch wenn gegen Ende jeder Runde ein kurzer, aber giftiger Anstieg auf die Läufer wartete.
Pünktlich um 10 Uhr fiel der Startschuss. Ich übernahm sofort die Spitze und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab – ein ungefährdeter Start-Ziel-Sieg. Das Gefühl war von Beginn weg ausgezeichnet. Allerdings hatte ich auf meiner Uhr ausschliesslich die Karte im Blick, was wohl dazu führte, dass ich einen Tick zu schnell unterwegs war. Die eingeblendeten Zwischenzeiten bestätigten diesen Eindruck. Ich versuchte zwar, das Tempo etwas zu drosseln, doch irgendwie war ich – ganz im Sinne des nahegelegenen Flugplatzes – im Flugmodus unterwegs.
Den Halbmarathon passierte ich nach 1:38:09. Bis Kilometer 30 lief alles wie am Schnürchen, doch mit zunehmender Renndauer machte mir die Hitze immer mehr zu schaffen. Die Pace liess nach, die Schritte wurden schwerer. Ab Kilometer 35 waren die Beine leer – keine Krämpfe, keine akuten Beschwerden, aber die Energiereserven praktisch aufgebraucht. Mit letzter Kraft kämpfte ich mich über den Schlussanstieg und war erleichtert, als ich nach 3:22:05 die Ziellinie überquerte. Der Lohn: Tagessieg und Streckenrekord.
Damit war mein 54. Marathon erfolgreich im Trockenen. Eine Zahl, die beachtlich klingt – doch sie relativiert sich schnell: Ein 74-jähriger Teilnehmer absolvierte an diesem Tag seinen 1386. Marathon. Eine schier unglaubliche Leistung.