
Nach neun Jahren Abstinenz war es wieder so weit: Ich stand wieder an der Startlinie des LGT Alpin Marathons in Bendern im Fürstentum Liechtenstein.
Das Wetter war gut. Alles gut? Trotz meiner grossen Marathonerfahrung war ich etwas angespannt. Mein letzter #crazyfriday – vier Stunden lang die Goldenbergtreppe rauf und runter – steckte mir noch spürbar in den Beinen, und in den vergangenen Wochen hatte ich definitiv zu wenige Höhenmeter gesammelt. Die Vorfreude war dennoch gross.
Punkt 9 Uhr ertönte der Startschuss. Vor mir lagen 42,2 Kilometer mit 1’870 Höhenmetern im Aufstieg und 720 Höhenmetern im Abstieg. Ich entschied mich für eine defensive Renntaktik. Das Ziel war eine Endzeit von rund 4 Stunden und 30 Minuten.
Die ersten zehn flachen Kilometer bis Vaduz absolvierte ich mit einem Schnitt von 4:55 min/km. Ab Vaduz, der Hauptstadt Liechtensteins, begann der lange Anstieg mit rund 1’100 Höhenmetern. Zuvor hatte ich mich noch bei Petra verpflegt, die heute als fahrender Verpflegungsposten im Einsatz war.
Anfangs lief es ausgezeichnet. Ich konnte sämtliche Steigungen laufend bewältigen, ohne Gehpausen einzulegen. Das änderte sich kurz vor dem ersten Gipfel. Bei Halbmarathon erreichte ich die Alp Silum auf 1’540 Metern über Meer. Danach folgte der Abstieg nach Steg. Mittlerweile war ich bereits zweieinhalb Stunden beziehungsweise 25,5 Kilometer unterwegs, und es wurde zunehmend zäh.
In Steg angekommen wartete mein Lichtblick: Petra stand am Streckenrand und versorgte mich mit viel Energie und noch mehr Liebe.
Ab Kilometer 28 marschierte ich jede Steigung hinauf – und sei sie noch so klein gewesen. Krisenmodus! Der Kopf war noch bereit, doch die Beine wollten nicht mehr. Mein Körper fühlte sich leer und kraftlos an. An den nächsten offiziellen Verpflegungsposten schüttete ich Coca-Cola, Bouillon, Iso-Getränke und Wasser in mich hinein. Scheinbar ohne Wirkung.
Auf 1’800 Metern über Meer war dann das Gröbste geschafft: der Sass-Fürkle-Pass. Auf den letzten neun Kilometern bis ins Ziel fühlte ich mich wieder etwas besser, und das Laufen fiel mir leichter.
Nach 4 Stunden und 53 Minuten erreichte ich das Ziel in Malbun, wo mich Petra und viele weitere Zuschauer empfingen. Soeben hatte ich meinen 55. Marathon beendet – und bereits zum sechsten Mal hier im «Ländle».
Meine Wunschzeit musste ich schon früh begraben, und die Endzeit schmerzte kurz. Vor allem deshalb, weil ich hier bereits einmal nach 3 Stunden und 23 Minuten die Ziellinie überquert hatte. Allerdings war das 2008 – in einer anderen Zeit.
Fun Fact: Damals gab es das iPhone in der Schweiz noch nicht.