Neujahrsmarathon

Der Neujahrsmarathon war der schwerste und kälteste Marathon meines bisherigen Läuferlebens. Der 52. Marathon war in vielerlei Hinsicht speziell und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Durch die Völlerei über die Festtage stieg mein Körpergewicht kontinuierlich an. Am Renntag zeigte die Waage 83,6 Kilogramm an – so schwer war unsereins noch nie beim Start eines Marathons. Zusätzlich erschwerend kam hinzu, dass ich mich nicht gezielt auf die 42,2 Kilometer vorbereitet hatte. Drei Läufe über 20 Kilometer im November waren alles, was zur Vorbereitung beitrug. Der letzte Lauf über 30 Kilometer war der Valencia-Marathon am 1. Dezember 2024!

Die Wetterbedingungen waren äusserst herausfordernd. Bei einer Temperatur von –8 Grad Celsius in der Dunkelheit entlang der Limmat zu laufen, war alles andere als angenehm – vor allem gegen Ende des Rennens. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Kleiderwahl. Die richtige Mischung war gefragt: nicht zu warm anziehen, weil man trotz klirrender Kälte schwitzt, aber auch nicht zu wenig, weil das Frieren enorm viel Energie raubt. Da ich mich auf eine längere Nacht als bei einem Marathon üblich einstellte, entschied ich mich für eine konservativere, sprich wärmere, Bekleidung.

Nun zum Rennen. Es war bereits die 21. Austragung und komplett ausverkauft. Start- und Zielort war die Sporthalle Unterrohr in Schlieren. Um 22:00 Uhr starteten die Kinderläufe über 750 Meter. Marathon, Halbmarathon, Viertelmarathon und Team Run gingen um 00:00 Uhr auf die 10,55 Kilometer lange Strecke. Das hiess, dass der Halbmarathon zwei und der Marathon vier Runden zu bewältigen hatte.

Wie in der Silvesternacht üblich, wurden die letzten Sekunden des alten Jahres von den 1’200 Teilnehmenden lautstark heruntergezählt. Für einmal wurde das neue Jahr nicht mit Champagner, sondern mit gemeinsamem Laufen gefeiert.

Mit einem Kuss und vielen guten Wünschen für das Jahr 2026 verabschiedete ich mich von Petra und begab mich auf die Reise ins Ungewisse. Petra hatte vor, die Halbmarathondistanz zu laufen, doch ihre gesundheitlichen Probleme liessen dies nicht zu. Bereits beim Einlaufen zwickte ihr das lädierte Bein. Nach dem Start konnte sie noch rund zwei Kilometer halbwegs laufen, bevor das rechte Bein den Laufdienst komplett verweigerte. Sie marschierte den Rest der Runde und gab das Rennen danach auf.

Unsereins war auf den ersten drei bis vier Kilometern hauptsächlich mit Überholen beschäftigt, da ich mich zu weit hinten eingestanden hatte. Das Feuerwerk am Himmel von nah und fern konnte ich nur mässig geniessen, weil ich für die Überholmanöver jeweils rechts und links des Feldweges in Wiesen und Äcker ausweichen musste und mich daher stark auf den Boden konzentrieren musste. Meine «Aufholjagd» wurde zudem immer wieder durch Pipi-Stopps zunichtegemacht – die Kälte trieb mich mehrmals in die Büsche.

Die erste von vier Runden passierte ich in 52:11 und lag damit voll im Soll. Meine Wunschendzeit lag bei 03:29:59. Es wurde rasch ruhiger, denn die Teilnehmenden des Viertelmarathons hatten ihren Lauf beendet, und vermutlich stiegen aufgrund der Kälte auch einige aus den Kategorien Halbmarathon und Marathon aus.

Kurz vor Rennhälfte musste ich mich entscheiden, ob ich weiterlaufe oder mich für den Halbmarathon klassieren lassen wollte. Ich fühlte mich noch zu gut, um auszusteigen, und begab mich deshalb auf die dritte Runde. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Die zweite Runde absolvierte ich in 52:09.

Nun wurde es noch einsamer. Ich folgte dem Lichtkegel meiner Stirnlampe. Um mich herum knallten noch vereinzelt Raketen und erhellten den Himmel. Gegen Ende der dritten Runde, nach mittlerweile zweieinhalb Stunden unterwegs, merkte ich, dass meine Kräfte langsam schwanden. Einerseits war dies meiner fehlenden Form geschuldet, andererseits konnte ich wegen der Kälte nicht genügend Energie zuführen. Die Lust auf kalte Getränke war bei null, und auch die angebotenen Gels waren beinahe gefroren. Ich ernährte mich praktisch nur von Bouillon. Die dritte Runde passierte ich in 54:02.

Die Wunschendzeit war damit passé, denn ich wusste, dass es nun nur noch langsamer vorangehen würde. Die Schritte wurden kürzer, der linke grosse Zeh schmerzte, und die Oberschenkel reklamierten. Durch die ungewollte Verlangsamung setzte mir die Kälte noch stärker zu. Doch an diesem Tag war ich mental (zu) stark für den Schweinehund und beendete den ersten Marathon im Jahr 2026 in 03:37:24. Die Zeit war nicht der Rede wert – es war einer meiner langsamsten Marathons überhaupt. Trotzdem war ich im Ziel glücklich und zufrieden.

Der Neujahrsmarathon war eigentlich als «Once in a lifetime» deklariert. Doch nachdem es Petra «total verschissen» ging, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir am 1. Januar 2027 wieder in Schlieren an der Startlinie stehen werden.

Zum Schluss möchte ich mich herzlich bei allen Helferinnen und Helfern des Neujahrsmarathons bedanken. Sie harrten stundenlang in der klirrenden Kälte aus, um uns Läufer zu verpflegen oder den Weg zu weisen. Vielen Dank!

Frohes neues Jahr!

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