Alles schien perfekt zu sein. Das Wetter präsentierte sich bereits frühmorgens traumhaft schön. Mein Staff war komplett anwesend, gut instruiert und sehr motiviert. Jetzt lag es an mir den Tag noch zu verschönern.
Pünktlich um 08:00 Uhr ertönte der Startschuss zum 25. Swissalpine, welcher Arno del Curto - Trainer des HC Davos - abfeuerte. Der „Spaziergang“ durch Davos genoss ich sehr. Viele Leute säumten den Strassenrand und ich erkannte das eine oder andere Gesicht.

Nach Davos ging es Richtung Spina und Monstein hinauf. Die Zeit verging im Fluge. In Monstein erwartete mich bereits mein erster persönlicher Verpflegungsposten, meine Freundin Petra. Etwas Gel, Wasser und Long Energy - im Laufen - und schon ging es wieder weiter. In der Folge wurden bis zum Bahnhof Wiesen ca. 500 Höhenmeter „vernichtet“. Nach dem Wiesener Viadukt folgten 2 kurze Rampen, bevor es wiederum ca. 200 Höhenmeter nach Filisur bergab ging. Bereits waren gut 30 Kilometer geschafft. Meine Zeitvorgabe hielt ich perfekt ein. Nach Filisur ging es hinauf auf Bergün. Der erste längere Anstieg stand bevor. Ich fühlte mich grossartig und flog regelrecht nach Bergün. Ich konnte mich locker zu einer Gruppe aufschliessen und diese gleich stehenlassen. In Bergün erwarteten mich Denise und Helge Babel. Pünktlich um 10:48 Uhr war ich angekommen. In der Zwischenwertung belegte ich Rang 10! Helge versorgte mich mit dem Nötigsten - Gel, Activator, Wasser und Long Energy - und gab mir Mut und Zuversicht. Nach Bergün ging es Richtung Chants stetig schleichend bergan. Ich holte nochmals vor mir liegende Läufer ein. 8. Gesamtrang! Es lief alles perfekt! Bereits waren 45km geschafft und „nur“ noch 33,5km vor mir. Doch... ich sollte noch einen langen „Arbeitstag“ vor mir haben. In Chants hatte ich wieder einen Rang an den Italiener Calcaterra verloren. Meine Beine fühlten sich auf einmal nicht mehr locker an. Noch schlimmer! Erste Anzeichen von Krämpfen machten sich bemerkbar. Einige Dehnungsübungen beim offiziellen Verpflegungsposten und der Italiener war weg. Auch Felix Schenk konnte hier wieder zu mir aufschliessen. Gemeinsam gingen wir Richtung Keschhütte. In den steilen Passagen musste ich ihn dann ziehen lassen. Er konnte schneller den Berg hoch wandern als ich. Von hinten stürmten weitere Läufern heran. Sogar die erste Frau überholte mich bald einmal. Bis zur Keschhütte taten ihr 2 weitere gleich. Bis zum Kulminationspunkt auf 2632m. ü. M. verlor ich zwar noch einige Ränge, aber zeitlich war ich noch voll im Soll. Innerlich sah es jedoch nicht so rosig aus. Ich war bereits ziemlich „angeschlagen“. Martin Jost versorgte mich auf der SAC Keschhütte perfekt und rief mir motivierende Worte hinter her. Es folgte der Panorama-Trail, eine hochalpine 7km lange Strecke zum Scalettapass.

Ich brauchte weit über eine 1 Stunde für diesen Streckenabschnitt. Meine Zeitvorgabe geriet arg ins Wanken.
Meine Eltern begrüssten mich auf dem Scalettapass. Coca-Cola, Gel, Wasser… ich schüttete einfach alles in mich rein. Der letzte Abschnitt vor dem Pass war sehr hart. Mein „Akku“ war leer. Wiederum habe ich 4, 5 Ränge verloren, aber es wurde noch viel schlimmer. Der Abstieg vom Pass nach Dürrboden war der Horror für mich. Ich lief extrem vorsichtig hinunter und stand ständig „auf der Bremse“. Dies wiederum beanspruchte die Oberschenkel noch mehr. In Dürrboden - ca. 65km - angekommen, war klar, dass ich die U700-Zeit nicht erreichen werde. Meine Beine waren kaputt, saft- und kraftlos. In den letzten 4km hatten mich wiederum ca. 10 Läufer überholt. Für den Kopf war dies natürlich zusätzliches Gift. Ich wollte einfach nur noch anständig „nach Hause“. Die letzten 14km ins Ziel wurden dann zum Desaster. Ich brauchte noch die Ewigkeit von gut 2 Stunden bis nach Davos. Ich marschierte die letzten 5, 6km nur noch.

Magenkrämpfe stellten sich noch zu allem Übel ein. Es war grausam. Aufgeben? Nein! Niemals! Und wenn ich ins Ziel kriechen müsste. Meine Freundin Petra stand mir in dieser „schweren“ Zeit zur Seite und dies tat mir sehr gut. 08:04. Mit über 1 Stunde Verspätung kam ich ins Ziel. Meine Familie und Freunde erwarten mich und gratulierten mir dennoch zum Lauf. Für mich war es ganz klar eine Niederlage. Die Enttäuschung war riesig. Ich hatte mir so viel vorgenommen.
Mit etwas Abstand zum Rennen habe ich das Debakel analysiert. Ich habe sehr teueres Lehrgeld bezahlt, was einem alten Haudegen wie mir, eigentlich nicht passieren sollte. Wichtig ist es aus den gemachten Fehlern zu lernen und das nächste Mal es besser zu machen. Es kann eigentlich beim 2. Mal nur besser werden. Ob dies jedoch jemals geschehen wird, steht noch in den Sternen.
Den Abend verbrachte ich bei einem gemütlichen Nachtessen mit meinen Freunden und Familie in Davos.