www.thomasfrieden.ch

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Startseite TMM 2009

TMM 2009

E-Mail Drucken PDF

Tag 1

Kurz vor 11 Uhr morgens startete unser Abenteuer "Trainingslager Muottas Muragl 2009": Die beiden Kollbrunner Kumpels fuhren mit vollbepacktem Auto in Richtung Berge... Ein letzter heftiger Regenguss am Walensee, etwas Stau und dann kamen wir auch schon bald in Klosters an. Klosters? Genau. Martin nahm am Swiss Alpine K21 von Klosters nach Davos teil. Liegt ja quasi auf dem Weg... Und so fällt es ihm einfacher, die nächsten 2 Tage rumzuhängen und kaum zu trainieren, was für die Angewöhnung an die Höhe sehr wichtig ist... mindestens für Martin. Lächelnd

Thomas fuhr weiter zum Ziel, wo er sich mit Denise und Helge verabredet hatte. Dort erwarteten sie nicht nur Martin, sondern noch andere Läufer des LSV Winterthur. Inzwischen herrschte ideales Läuferwetter, nur der Wind blies etwas kühl durch die Gegend!

Ganz kurz zum Wettkampf, denn diese Story ist schnell erzählt, sprich ich (Martin) hab den Wettkampf eigentlich schon wieder vergessen. Fühlte mich von Anfang an müde, hatte immer wieder gute Phasen und hielt mich bis zum "Bergpreis", ca. Kilometer 13 auf Rang 4... und dann... der grosse Einbruch, wie ich ihn schon lange nicht mehr hatte. So verlor ich auf den letzten flachen 8 km bis ins Ziel auf meine ehemaligen Begleiter tatsächlich noch 6 (!!!) Minuten. Abhaken und vorwärtsschauen. Ach ja, Rang 14 gabs schlussendlich... für alle Statistiker. Lächelnd

Auch die anderen LSVW-ler finishten: Ruedi Brem als erfahrener Ultra-Läufer (K78), Martin Krähenbühl und Werner Bäumler beim ersten Bergmarathon (K42), Kurt Zulliger (K31), Regula Sigg und Andi Pfäffli (beide K21).

Nach gemeinsamen Pizzaessen (inkl. Fam. Lehmann) machten sich die beiden Kollbrunner auf den Weg ans Endziel. Mittlerweile herrschte eine herrliche Abendstimmung, der Flüelapass und die Fahrt durch das Engadin war richtig zum Geniessen. Thomas setzte sich schon mal mit der Steilheit des Flüelapasses auseinander, schliesslich wird er schon bald mit dem Radel die Pässe bezwingen.

Kurz vor 22 Uhr trafen wir schliesslich in Muottas Muragl auf 2'450 Meter über Meer ein. Herrliches Wetter, Temperatur ca. 5 Grad... naja, es soll ab morgen wärmer werden und nachdem es vor einer Woche 15 cm Neuschnee gab, ist 5 Grad doch schon mal ein Anfang, oder? Apropos Schnee: Martin bemerkte mit etwas skeptischem Blick, die ziemlich massiv grösseren Schneefelder im Vergleich mit 2008. Das gibt wohl noch das eine oder andere Mal nasse Füsse...

So, mittlerweile ist es Halb 12, Zeit für den Schönheitsschlaf. Wir sind zwar beide hundemüde, aber in der Höhe ist das halt etwas speziell mit dem Tiefschlaf... Letztes Jahr mussten wir doch einige Nächte leiden (sprich: wir konnten kaum schlafen), bis es dann besser ging... Morgen wissen wir für's Erste mehr...

Gute Nacht und bis morgen!

Tag 2

07:50 Uhr. Tagwache! Die Nacht war okay, aber gut ist anders. Wir beide wälzten uns unzählige Male im Bett hin und her. Der Höhenluft sei Dank?!?! Die folgenden Nächte werden wohl ähnlich verlaufen. Wir kennen's ja.

Das Frühstück, vor allem das Müsli, war wieder ein Genuss. Ein ganzen Jahr mussten wir wieder auf diesen Leckerbissen warten.

Im Berghotel befinden sich auch diese Jahr wieder "alte Bekannte" Athletinnen und Athleten. Sabine Spitz (Olympiasiegierin), Petra Henzi (Mountainbike), Christian Belz (Läufer), Matthias Merz (OL) und andere. Viktor Röthlin hat sich für den 2. August angekündigt.

Nach dem Frühstück fuhr ich (heute ist "ich" Thomas Zwinkernd), eine kleine Runde auf dem Velo sozusagen den Prolog. Die flache Strecke führte von der Talstation Punt Muragl nach Maloya und zurück, dies bedeutet in Zahlen 43,5km (32,4km/h-Schnitt)!

Nach einer Dusche ging es nach Pontresina. Martin hatte um 13:00 Uhr eine Massage bei Corina. Ich folgte ihm später (15:00 Uhr). Unterdessen schwomm ich 2,5km im Hallenbad, welches im gleichen Komplex ist. Es war eine Katastrophe! Ich habe wohl alles verlernt, was ich je gelernt hatte. Das Atmen machte mir am meisten Mühe. Trotzdem zog ich es durch. Schliesslich bin ich hier nicht zum Plausch.

Die Massage danach war aber noch schmerzhafter als die Schwimmlektion. Unglaublich, wie schlecht meine Beine "zwäg" sind. Diverse Verhärtungen an diversen Stellen, obwohl ich 2 Monate keinen Sport betrieb. Durch die Fehlbelastung, welche die OP mit sich führte, kamen diese zustande. Ich hoffe, dass durch das Trainieren meine Beine wieder geschmeidiger werden. Zwinkernd

Den Rest des Tages genossen wir einfach das schöne Wetter und das herrliche Panorama. Das Wetter kann so bleiben!

Tag 3

Ab heute werden Martin und ich sprich Thomas jeweils separat einen Tagesbericht schreiben. Martin hat nun Offiziell mit dem Training begonnen. Den anfang mach gleich ich.

Thomas:

Auf meinem Speiseplan war heute eine "gemütliche" Tour über den Flüela- und Albulapass. Das Wetter war prächtig.

Um 10:00 Uhr fuhr ich in Richtung Zernez los. Ich hatte, wenn überhaupt, leichten Rückenwind und die Strecke war bis Zernez leicht abfallend. Nach Zernez war es noch ein Katzensprung nach Susch, wo der Aufstieg zum Flüelapass begann. Ich fühlte mich bis hier hin gut und hatte einen guten "Schnitt" auf  dem Tacho.

Der Aufstieg war dann echt happig, aber ich konnte eine gute Pace fahren. Ich wusste, dass der Tag noch lang wird, weshalb ich versuchte möglichst locker den Berg hinauf zu trampen. Die Wärme, besser gesagt, die Hitze setzte mir jedoch mächtig zu. Es war brutal, dabei war es erst 11:30 Uhr.

Auf dem Pass angekommen, flog ich Richtung Davos hinunter. Eine schöne Abfahrt. Ohne engen Kurven. Ideal für mich als "Bergabfahren"-Anfänger. In den nächsten Tagen kann ich noch öfters an dieser Technik arbeiten! Zwinkernd

In Davos musste ich dann zuerst einen Kiosk aufsuchen um meine Biddons aufzufüllen. Ich trank bis hier hin 1,5 Liter. Die Hitze war wirklich extrem. Die Fahrt nach Wiesen und weiter nach Alvaneu lief gut. Es ging auch meistens leicht bergab. Im Landwasser-Tunnel, welcher 2,7 Kilometer lang ist, war es schön kühl und dunkel. Ich hätte wohl meine Sonnenbrille abziehen sollen. Cool Beim Verlassen des Tunnels fuhr ich in eine Hitzewand und in eine happige Steigung (kurz vor Wiesen). Ufff!

Meine Beine waren nicht mehr so frisch, gelinde gesagt. Kein Wunder! Habe ich doch während 2 Monaten nach der OP keine Trainingseinheit machen können. 2 Velorunden mit Total 100 Kilometer in der Heimat (Kollbrunn) und der gestrige "Prolog" sind alles, was ich in den letzten 8 Wochen auszuweisen habe. Aber jetzt bitte nicht jämmern. Es kam noch schlimmer. Stirnrunzelnd

Der lange Aufstieg zum Albulapass stand noch an. Dieser Pass ist bekannt für seine Länge und Steilheit. Mein "Schnitt" schmolz wie Eis an der Sonne. Es war brutal heiss. Ich "soff" was das Zeug hielt. Ohne Erfolg. Ich hatte dauernd Durst. In Bergün musste ich bereits wieder nachtanken. Bis zum Schluss trank ich rund 5 Liter und verzehrte 3 Powerriegel!

Nach Bergün begann das Leiden hoch 2. Ich hatte neben der schweren Beinen zusätzlich nun Krampferscheinungen in den Oberschenkeln und grausames Fussbrennen und Blasen. Unterdessen war ich 4:30h unterwegs. Da tut einem, wenn man so untrainiert ist wie ich es zurzeit bin, noch ganz andere Körperteile weh. Po. Rücken. Hände. Nacken. Eigentlich fast alles. Kurz vor Preda musste ich ein Timeout nehmen und 10 Minuten ruhen. Die Krämpfe liessen eine Weiterfahrt nicht zu. Nach dem Päuschen ging es weiter. Erholt war ich natürlich nicht, aber die Krämpfe war vorübergehend weg. In den nächsten Minuten war es auch nicht mehr so steil.

Endlich in Preda angekommen. Jetzt habe ich fast geschafft, dachte ich mir. Weit gefehlt. Die folgende Steinlandschaft wollte nicht mehr enden und kurz vor dem Pass wurde es nochmals richtig gemein steil. Ich biss auf die Zähne. Die Krämpfe melden sich bereits wieder an. Ich radelete weiter und ignorierte die Signale. Wohl einfach zu müde um zu halten. Für diesen Aufstieg dokterte ich über 2 Stunden rum! Eine halbe Ewigkeit.

Meine Nettozeit, hatte ja einige geplante und ungeplante Pausen, betrug bereits ca. 5:30h. Die Abfahrt nach La Punt war dann nicht mehr so schön wie die des Flüelapasses. Man muss ständig "in die Eisen treten". Übrigens meine Füsse schmerzten immer noch sehr und waren sehr empfindlich auf Druck, was beim Velofahren jedoch nicht zu vermeiden ist! Mist!

Das flache Stück von La Punt nach Punt Muragl war ebenfalls kein Zuckerschlecken. Der Maloyawind blies mir mit 50 Sachen voll ins Gesicht. Mein Tacho zeigte kaum mehr 20km/h an. Es war mir aber egal. Ich wollte einfach nur noch nach Hause.

6:23h brauchte ich am Schluss für diese happigen 138 Kilometer, was einen Schnitt von ca. 21,4 ergab. Die Leidenszeit ist noch nicht vorbei und wird wohl noch die ganze Nacht dauern. Ich werde vermutlich bald, schnell und hoffentlich gut und tief schlafen.

Für morgen habe ich eine kürzere Strecke im Kopf (103km). Lasst euch überraschen. Immer schön dran bleiben und keine Schwächen zeigen, gell. Never give up! Der heutige Tag war trotzallem sehr schön und interessant. Ich spürte wieder meinen Körper (etwas weniger wäre mir lieber gewesen) und habe eine beachtliche Leistung vollbracht. Oder?

Martin:

Ja, das hast Du Thomas, im Gegensatz zu mir Lächelnd...Was soll ich nun schreiben? Wir befinden uns schliesslich im Trainingslager und ich...?

Ah doch, ich hab ja trainiert: Meine Augen! Stundenlang die wunderschöne Aussicht geniessen kann ganz schön anstrengend sein; gut habe ich meine Sonnenbrille stets dabei!

Okay, da war doch noch ein klitzekleines Lauftraining, stimmt! Das Gegenteil von Thomas: ziemlich flach und kurz:

Von Punt Muragl lief ich durch den herrlich duftenden Stazerwald an den Stazersee, wo sich doch schon einige Leute der Sonne hingaben. Weiter gings rund um den St. Moritzersee, wo ich wieder mal folgende zwei Tatsachen feststellen musste: 1. St. Moritz sieht von Muottas Muragl oben viel schöner aus...und 2. Die Italos, welche in Viererreihe den ganzen Weg vereinnahmen, gehen immer noch nicht zur Seite, wenn sie einen Läufer kommen sehen. Die dachten wohl, ich sei ein Triathlet und wolle mich gerade noch etwas im See vergnügen...oder dann haben sie einfach eine extrem laaaaange Reaktionszeit.

ähm, zurück zur Tour, ich lief noch einen kleinen Umweg zurück zum Stazersee und wieder zurück nach Punt Muragl. Mit dem Training bin ich zufrieden, es lief weder besonders gut noch besonders schlecht. Natürlich spürte ich noch den Halbmarathon vom Samstag in den Beinen, die Massage gestern war aber Gold wert!

Und für die Statistiker: 11,7 km in 59 Minuten mit ca. 200 Höhenmetern...Wow, was für Zahlen Lächelnd!!

Nun, wirklich Zeit um zu schlafen, morgen früh um 8 steht das nächste (kleine) Training an und Thomas hat den Schlaf wirklich nötig, er will ja morgen schon wieder zwei Pässchen fahren Lächelnd... Gute Nacht!

Tag 4

Thomas:

Wie ich schon gestern erwähnt habe, stand heute eine kürzere Runde auf dem Programm. Mein Plan: Julier- und nochmals Albulapass. Ich wollte Revanche nehmen für die gestrige Niederlage.

Die Temperaturen war heute einiges velofreundlicher sprich nicht mehr gar so heiss. In der Nacht hatte es geregnet, was sich auf das Thermometer niederschlug.

Nach der kurzen Einfahrstrecke begann in Silvaplana auf Aufstieg zum Julierpass. Zu Beginn war es recht steil, aber danach war es sehr angenehm zum Fahren. Schwupdiwup und ich war bereits auf dem Pass. Erstaunlicherweise verspürte ich die Tortur von gestern kaum. Noch war aber nicht Feierabend, denn erst ein Drittel hatte ich hinter mir. Die lange Abfahrt nach Tiefencastel verlief ohne Probleme und ich konnte ein wenig an meiner Abfahrt-Technik feilen. In Tiefencastel, dem tiefsten Punkt des heutigen Tages ging es Richtung Filisur.

In Filisur legte ich eine geplante Pause ein. Eine Kollegin weilte in Filisur auf dem Campingplatz. Ich nützte die Gelegenheit und verabredete mich deshalb mit ihr. Nach dem Boxenstop ging es auf zum Gipfel. Ich fuhr und fuhr und fuhr und... plötzlich war ich auf dem Albulapass. Ich hatte überhaupt keine Probleme. Kein Vergleich zu gestern. Ich fühlte mich richtig toll. Okay, gestern hatte ich noch 35 Kilometer mehr in den Beinen und es war bestimmt wärmer. Trotzdem! Die Abfahrt war dann wieder nicht so toll. Ich musste ständig bremsen mit Betonung auf ich. Andere "frässen" den Pass hinunter... unglaublich! Ich werde wohl nie der Abfahrer werden. Bei 70km/h wird mir einfach Angst und Bange. Ist wohl das Alter! Zwinkernd

Der Schlussteil war wieder ein Kampf gegen den Wind, aber es lief mir einiges besser als gestern. Gestern fuhr ich hier auf dem letzten Zacken. Heute sah dies ganz anderes aus. Trotz Gegenwind konnte ich realtiv locker einen 25er ins Ziel sprich zur Talstation Punt Muragl radeln.

Fazit: 104 Kilometer in 4:48. Nicht berauschend, aber ich bin zufrieden. Ich habe mich langsam an die Temperaturen und Pässe gewöhnt und scheine meinen Rythmus gefunden haben. So kann es weiter gehen!

Martin:

Man könnte meinen, so ein Trainingslager sei ziemlich eintönig; jeden Tag etwa das gleiche... Nun, nicht ganz, die Ueberraschungen kamen heute frühmorgens... Nach einer einigermassen guten Nacht (trotz Gewitter) begab ich mich um 07:40 Uhr auf die Terrasse, denn ich wollte die erste Bahn um 07:45 ins Tal nehmen. Nun, ich hatte noch 5 Minuten Zeit...und konnte so die Sonnenschirme, welche kreuz und quer verstreut herumlagen (wegen dem Gewitter!) wieder auf die Beine bringen. Okay, die 100 Meter weiter unten in der Wiese liess ich liegen... Dann, planmässige Abfahrt um 07:45 Uhr, ca. 100 Meter weiter unten spickte es mich schier in die Frontscheibe... Notbremsung! Wie ich später erfuhr ging bei der Bahn im Tal unten eine Türe während der Fahrt auf. Abenteuer in den Bergen Lächelnd!

Nun, wie weiter? Nach 10 Minuten warten, beschloss ich, aus der Bahn auszusteigen und lief die Treppe zum Hotel hoch. So verlegte ich mein gemütliches Taltraining halt auf 2'450 m.ü.M. Ich lief zum unteren Schafberg und wieder zurück. Eine schöne, einsame Tour um diese Uhrzeit und mit 250 Höhenmetern noch einigermassen machbar für mich Lächelnd. Nach 50 Minuten war ich im Hotel zurück und schaffte es dann doch noch rechtzeitig zum Morgenessen! Wichtig! Denn ein Tag ohne dieses fantastische Birchermüesli ist ein verlorener Tag...

Nach einer Dosis faulenzen, gings um 14:00 Uhr auf die nächste Trainingsrunde: von Punt Muragl nach Pontresina und dann hoch zur Stazeralp. Danach folgte einer der schönsten Wege direkt hier in der Gegend... weiteres folgt nach dem Nachtessen!!!

....mmmmmh, der Znacht war lecker! Nicht vollkommen sportlerfreundlich, dafür umso besser! Obwohl ich mit meinem Bärenhunger wohl alles verschlungen hätte!

Wo war ich stehen geblieben. Ahja, dieser traumhafte Weg in einer langen Waldschneise, danach Single-Trails in Richtung St. Moritz Bad. Dort stach ich direkt zur Tartanbahn hinunter (ich hab natürlich keine Bahnrunden gedreht!), wo ich für einmal keine bekannten Athleten erblickte. Der Weg dem St. Moritzersee nach war heute erstaunlich unbevölkert; ich vermisste meine "italienischen Kollegen" von gestern aber in keinster Weise! Via Stazersee gings dann zurück zur Talstation.

Nachmittags-Statistik: 1h 09 min, 13,5 km, ca. 300 hm.

So, und morgen? Morgen geht's endlich über die erste Fuorcla! Aber vorerst heisst's wieder "früh" aufstehen für ein lockeres Taltraining, sofern es das erste Bähnli bis ganz nach unten schafft...

Bis bald wieder... eure Bergjournalisten

Tag 5

Martin:

Allegra! Heute darf ich zuerst schreiben, schliesslich war ich auch zuerst im "Ziel" Lächelnd. Thomas hatte Grosses vor und so fand das Abendessen beinahe ohne ihn statt.

Nun zu meinem Tag. Heute klappte es tatsächlich mit dem ersten Bähnli. Das heisst, normale Fahrt ganz ohne Aufregung bei herrlicher Morgenstimmung. Nun, ich war nicht ganz alleine, Christian Belz wollte auch ein "Nüchtern-Training" absolvieren und Hanspeter Marti begleitete ihn auf dem Bike. Da ich hier der einzige Bergläufer bin und sonst schon immer alleine trainieren muss, entschied ich kurzerhand, mich Christian anzuschliessen; das heisst, ich fragte ihn vorsichtig, was er denn vorhabe, denn für alle, die Christian nicht kennen. Er ist ein Spitzen-Bahnathlet und war auch schon WM- und Olympiateilnehmer. So kam es dann, dass wir (ziemlich) gemeinsam trainierten. Für ihn bedeutete das ein mittelhartes Training und für mich? WETTKAMPFTEMPO, während gut 5 km oder 18 Minuten! Und dies am morgen früh. Irgendwann musste ich ihn dann auch ziehen lassen, das war einfach eine Stufe zu hoch für mich. Jedenfalls drücke ich ihm am Samstag die Daumen. Dann läuft er die SM über 5000 Meter.

Nach Morgenessen und Einkauf in Pontresina ging es dann auch schon bald los mit dem 2. Training. Erwartungsfroh, aber auch etwas unsicher fuhr ich mit der Bahn ins Tal. Würde ich die Belastung des Morgentrainings verkraften? Es stand zwar keine lange, dafür umso giftigere Tour auf dem Programm. 1'100 Höhenmeter auf nur 6 km! Dazu diese Hitze! Von Punt Muragl ging es zuerst 18 min. flach dem Inn entlang bevor ich rechts ins Val Champagna abbog. Dort begann dann die erwähnte Steigung durch das ganze Tal bis hoch zur Fuorcla Val Champagna auf 2'800 M.ü.M. Ich machs kurz: Es war hart, ich schwitzte wie eine Sau, aber mein Ziel habe ich erreicht: Ich konnte sämtliche (steilen) Passagen laufen und musste nie wandern. Lächelnd Oben angekommen, wurde ich mit einem herrlichen Panoramablick belohnt und das Erstaunliche: auch oben kaum Wind; so blieb mir noch Zeit, einige Fotos zu schiessen. Der Rest war dann vorsichtiges zurücklaufen direkt zum Hotel nach Muottas Muragl...

Dort bekam ich später noch Besuch von Doris & Edi, eine nette Ueberraschung, die auch Thomas gelten sollte, aber der war zu dieser Zeit noch auf der anderen Seite des Berninas Brüllend...

Uebrigens traf ich am Nachmittag an der Talstation einen alten Radrennfahrerkollegen von früher. Franco Marvulli legte gerade einen Zwischenhalt ein und so ergab sich die Gelegenheit, nach 15 Jahren wieder einmal ein paar Worte auszutauschen...

Nun ist aber DER Radrennfahrer der Gegenwart an der Reihe: Genau: Thomas, der König der Engadiner Pässe! Viel Spass und bis morn...

Thomas:

Ich würde lieber mit Martin die Berge hoch laufen. Aus den bekannten Gründen geht ja das leider nicht, so radle ich halt die Pässe hoch. Heute waren es gleich 5! Lachend Berninapass (2x; von beiden Seiten), Forcola di Livigno, Passo d'Eira und Passo di Foscagno.

Für diese Route, welche Sabine Spitz tagsdavor ebenfalls gefahren ist, rechnete ich gut 8 Stunden. Sind es doch immerhin 167km und 3300 Höhenmeter, welche zu bewältigen sind.

Um das Abendessen keinesfalls zu verpassen, wollte ich etwas früher los fahren. Wollte! Leider hatte das Velo einen Platten, als ich es aus dem Auto nahm. Als "geübter" Schlauchwechsler ging die Tagestour mit 30 Minuten Verspätung los. Übrigens im "Gepäck" hatte ich eine Jacke, Taschentücher, ID, EC-Karte, etwas Bargeld, Lippenpomade, 5 Sponsorriegel, 1 Sponsor-Activator, 2 volle Biddons und Sponsorpulver um die Biddons 1 Mal nachzufüllen.

Der Berninapass von Pontresina aus ist wirklich nicht so streng. Auch die Forcola di Livigno schaffte ich ohne Probleme. Bis Bormio lief es mir gut und doch hatte ich erst die Hälfte geschafft.

In der Zwischenzeit hatte ich 2 Riegel verzehrt und 4 Biddons getrunken. Es war wieder so ein Hitzetag! Und es wurde noch wärmer... sorry noch heisser. Die Strecke von Bormio nach Tirano sah auf der Landkarte eigentlich einfach aus, liegt doch Tirano auf 436m.ü.M. und Bormio rund 800m höher. Erstens kommt es meistens anders... und zweitens als man denkt. Wieder einmal Gegenwind (41km lang!) und ein, wie sagte Petra Henzi so schön, ein kleines Pässchen war auch noch zu überwinden. Nicht schlimmes, aber mit diesen "Hoger" habe ich wirklich nicht gerechnet.

In Tirano angekommen, mittlerweile die 100 Kilometer überschritten, herrschten höllische Temperaturen (Tacho zeigte 39 Grad!). Kurz einen "feinen" Riegel hinein drücken und Biddons mit Brunnenwasser auffüllen und dann ging es bereits weiter. Jetzt war nur noch die Kleinigkeit von rund 50km und 1900 Höhenmeter zu fahren. Verlegen Ich fühlte mich eigentlich noch gut, aber die Hitze machte mich (wieder einmal) langsam aber sicher fertig. Die Körner wurden immer weniger. Es ging auch nur noch bergauf (kurze Ausnahme in der Region Poschaivo). Brutal! Für einen Laien kaum nachvollziehbar. Ich musste in Poschiavo Coca-Cola kaufen und die Biddons mit Hahnenburger auffüllen. Weiter ging es zum Gipfel, wenn auch nur noch langsam.

Kurz vor La Rösa schrieb ich Martin eine SMS. Ich komme wohl etwas später. Bin noch rund 24km vom Ziel entfernt. Ich schlich mit den Berg hinauf und schaffte es tatsächlich noch. Never give up! Die Abfahrt vom Berninapass nach Punt Muragl war dann kurz und schnell, was meinen Schnitt noch auf 22km/h steigerte.

Viele Fragen sich wohl: Wieso tun wir uns das an? Wieso opfern wir unsere Ferien für eine solche Schinderei? Wir lieben einfach die Bewegung, die Natur und sind sehr ehrgeizig. Von nichts, kommt nichts!

Tag 6

Thomas:

Nach der schweren Etappe gestern, nahm ich es heute wieder etwas ruhiger. Ich rollte eine ähnliche Strecke ab wie beim "Prolog" sprich zum Maloyapass und retour. 42km zeigte mein Tacho bei der Ankunft in Punt Muragl (31km/h).

Den Nachmittag verbrachte ich mit Einkauf (Veloschlauch, Sonnencreme, Vitaminpillen, Fusspflaster u. a.) und einem Saunabesuch. Lächelnd

Etwas Sorgen macht mir mein Fuss (Grosszehen). Ich habe extreme schmerzen beim Velofahren. Weinend Klar sind auch meine Beine müde, mein Nacken hart, mein Po wund, aber der Fuss ist das grösste Problem. Das fühlt sich wie Fussbrennen oder -blase an. Das hat nichts mit der Fussoperation zu tun! Mein zartes Füsschen - durch die OP musste der Fuss besonders geschont werden - "produziert" eine neue Hornhaut, was die Schmerzen nun verursachen. Ich werde mit einem speziellen Pflaster versuchen, dass in den Griff zu bekommen.

Das war's bereits meinerseits. Für morgen steht eine mittel-schwere Etappe (Punt-Muragl-Zernez-Livigno-Berninapass-Punt Muragl) auf dem Programm. Ich schätze eine Fahrzeit von ca. 4 Stunden.

Hören wir einmal, was Martin so zu erzählen hat. Für ihn kommen nun die harten "Dinger". (Er schläft gerade neben mir! Lächelnd)

Martin:

Buona sera an alle Fans und solche, die es noch werden wollenLächelnd! Ich bin mittlerweile wieder aufgewacht, obwohl ich wohl besser gleich durchgeschlafen hätte...Denn...Kaum zu glauben, es passierte heute genau dasselbe wie vor einem Jahr, als ich dieselbe Tour lief...Später mehr dazu...

Der Morgen begann wieder mal gemütlich, ohne Training vor dem Frühstück, was eine halbe Stunde länger schlafen bedeutete. Nach einer sehr unruhigen Nacht war ich ehrlich gesagt um jede Minute froh! Ich fühlte mich am Morgen auch dementsprechend müde.

Da ich in den letzten zwei Tagen dann und wann ein kleines Energiedefizit hatte, fiel der Zmorgen etwas üppiger aus als auch schon. Denn Bergtrainings in dieser Höhe fordern mehr Energie und jeder, der schon mal einen "Hungerast" hatte, weiss, dass es kaum was schlimmeres gibt.

Zum Training: Um 11 Uhr lief ich in Punt Muragl bei strahlendem Sonnenschein (was sonst?) los. Ich hatte mir für heute die "Malta-Tour" (Erklärung folgt...) vorgenommen. Nach 20 Minuten flachem Einlaufen ging es serpentinenartig bis an die Waldgrenze zur Alp Muntatsch (2180 m.ü.M). Leider ist der Wald sehr durchlässig, so dass ich bereits während den ersten 45 Minuten wieder richtiggehend dahinschmolz. Nach der Alp gings weiter hoch, mittlerweile am Rand des Val Bever, welches teilweise 800 Höhenmeter weiter unten zu sehen war. Nach einem kurzen Abstieg folgte der schönste Teil, eine Hochebene, genannt Valletta. So, jetzt weiss jede/r, der die Hauptstadt von Malta kennt, wieso ich diese Tour "Malta-Tour" getauft habe. Nun kam plötzlich Gegenwind auf, was mir nichts als recht war. Lieber etwas langsamer, dafür eine willkommene Abkühlung. Am Ende der Ebene folgte der härteste Teil, die letzten 300 Höhenmeter zur Fuorcla Valletta immer wieder mit sehr steilen Rampen durchsetzt. Kurz vor dem Pass querte ich noch ein erstes Schneefeld und dann war die Fuorcla auf 2'850 m.ü.M. erreicht.

Der Abstieg war zu Beginn steil und mühsam, wurde aber bald besser. Ich querte weitere vier Schneefelder, futterte zwischendurch mal was (dazu trank ich auf der gesamten Tour 2 Liter!), lief via Val Saluver, Lej Alv (dort liegt die höchstgelegene Finnenbahn auf 2'500 m.ü.M.), Corviglia, Alp Laret nach Celerina runter. Das fuhr ganz schön ein, 1'100 Höhenmeter bergab, aber das schlimmste war wie schon im letzten Jahr das kleine flache Stück von Celerina nach Punt Muragl. Die Beine lassen sich nach so einem langen Abstieg kaum noch vernünftig bewegen. Nach 3 Stunden und knapp 30 Kilometern kam ich richtig kaputt bei der Talstation an. So muss es im Trainingslager sein, dachte ich mir...

Auch heute wollte es der Zufall, dass ich unten wieder jemand Bekannten traf. Urs Jenzer, der letztjährige 2. im Mountain-Marathon-Cup war eben mit einem Laufkollegen von einer kleinen Tour zurückgekehrt. Klein ist ein Scherz, denn sie waren sogar 3 3/4 Stunden unterwegs...

Dies war heute natürlich mein einziges Training, danach sah das Programm so aus: Dehnen/Duschen/etwas kleines Essen/Waschen/Relaxen/Nachtessen...

ähm...da wären wir beim Nachtessen. Ich will gar nicht viel dazu sagen, aber es bekam mir nicht so gut...und dies lag keinesfalls am Essen, denn das war vorzüglich. Ich hatte (habe?) wohl einen Mini-Sonnenstich, eben genau wie vor einem Jahr nach derselben Tour und da reagiert dann der Körper auf seine Weise Überrascht

Das beruhigende: Vor einem Jahr fühlte ich mich am anderen Tag, als wär nichts gewesen. Also, (hoffentlich) gut schlafen und dann sieht die Welt morgen wieder rosig aus.

Apropos Morgen. Ich hatte meine Pläne bereits während meiner heutigen Tour wieder umgestellt. 3 weitere happige Bergtrainings wären "to much", deshalb geh ich morgen nur in die Fläche, dafür 2 Mal, sofern ich wieder fit bin.

So, Thomas hat mich gerade darauf aufmerksam gemacht, dass ich langsam meinen "Roman" beenden sollte. Recht hat er, jetzt werden dann die Lichter gelöscht...

Morgen wird es etwas kritisch mit dem Bericht schreiben, wir werden den ganzen Abend bei Helen, Armin und Jonas Bürgler im Tal unten verbringen. Falls wir nicht dazukommen, werden wir euch spätestens am Schweizer Geburtstag wieder auf dem Laufenden halten.

Und allen, die "normal" arbeiten, wünschen wir schon mal ein schönes Wochenende! Buona notte!

Tag 7

Martin:

Allegra! Da sind wir schon wieder, zumindest mal ich, denn Thomas ist gerade erst von seiner Tour zurückgekehrt.

Heute war Premieren-Tag! Beim etwa 40. Training (total in den letzten Jahren) zum ersten Mal Regen! Keine tolle Premiere; andererseits, wenn es nun wieder 40 Mal trocken bleibt, ist das auch nicht schlecht...

Wieso ich bereits so früh schreibe? Ich musste mein Programm nochmals ändern, da der gestrige Tag eben doch seine Spuren hinterliess. So liess ich das "Nüchtern-Training" sein, da ich mich doch etwas gar schwach auf den Beinen fühlte. Nach ausgiebigem Morgenessen fühlte ich mich schlagartig besser und schon bald ging es mit dem Bähnli runter ins Tal. Für einmal fuhr ich gemeinsam mit Thomas runter, was ja wegen unserer unterschiedlichen Trainings nicht gerade viel vorkommt.

Eigentlich wollte ich ja mit dem Bus nach Maloja und von dort zurücklaufen. Wollte, denn ein Buschauffeur vera... mich gröber. Er empfahl mir, einen anderen als den geplanten Bus zu nehmen, damit ich sicher den Anschluss nicht verpasse...Bis ich bemerkte, dass eben dieser andere Bus erst in einer halben Stunde fuhr, war der Chauffeur schon losgefahren...Okay, nach einer halben Stunde warten gings zügig nach St. Moritz, wo umsteigen angesagt war. Umsteigen? In etwas mehr als einer weiteren halben Stunde würde dann mal der Anschlussbus einfahren, danach Fahrzeit nach Maloja ca. 40 Minuten...Das wurde mir zuviel und so lief ich eine Ersatzrunde durch die Seen- und Wälderlandschaft um St. Moritz. War es zu Beginn noch kalt, so besserte das Wetter zusehends, sprich der Regen liess immer mehr nach. Nach 1 1/2 Stunden, 20 km und ca. 200 Höhenmetern war mein Training an der Talstation beendet. Anfang und Ende waren mühsam, aber zwischendurch lief es ganz flott. Nun freue ich mich auf die nächsten beiden Tage mit je einer grossen Tour bei hoffentlich wieder schönem Wetter...

Zeit für mich, bei schöner Musik etwas zu entspannen und zu träumen. Thomas weiss auch noch was zu berichten...Viel Spass beim Lesen!

Thomas:

Meine 6. Etappe, wie gestern bereits erwähnt, eher eine mittel-schwere über  1,5-2 Pässe - Ofenpass nur zur Hälfte, dazu Forcola di Livigno und ein Stück des Berninapasses, begann wie sie aufhörte. Mit Regen! Weinend

Als Martin und ich um 09:40 Uhr die Bahn nach unten nahmen, begann es sogleich zu regnen. Na toll! Die Profi-Bikerin (Petra Henzi und Sabine Spitz) verlegten ihr Training indoor sprich auf die Rolle. Petra bot mir sogar eine Standrolle an, aber ich lehnte ab. Ich sagte mir: "Never give up!" Ein bisschen Wasser... Frauen halt! Zwinkernd

Also fuhr ich los. In Samedan, 2 Kilometer später, war ich völlig durchnässt. Einen kurzen Augenblick überlegte ich mir zurück zu kehren. Ich fuhr einfach weiter und als mir auch einige Velofahrer entgegen kamen (von hinten kann ja niemand kommen! Lächelnd), stärkte dies mein Vorhaben.

Trotz Sauwetter war ich flott unterwegs. Nach rund 20km hörte es allmächlich auf zu regnen. Ich flitzte Zernez entgegen. Mein Schnitt lag bei 37,8km/h! Cool! Cool Kühl war es wirklich, aber nach den Hitzetagen davor, war es eine willkommene Abwechslung. Wohl auch Dank den tiefen Temperaturen konnte ich so schnell trampen.

In Zernez ging es Richtung Ofenpass. Der Beginn des Aufstieges war heftig, aber ich bin mir langsam einiges gewöhnt und lasse mich nicht mehr so schnell einschüchtern. Ich suchte und fand bald mein Rhythmus.

Den Abzweiger nach Livigno verpasste ich nicht, müsste aber rund 30 Minuten auf den Shuttle-Bus warten. Brrrr!!! Den Tunnel "Munt la Schera" darf man nicht (mehr) mit dem Velo befahren. Für die 3.5km-Tunnel muss ich 8 Fr. hin blättern. Abzockerei! Der Tunnel ist übrigens nur 2.50m breit und kann - logischerweise - nur noch jeweils von einer Seite befahren werden.

Nach dem Tunnel ging es im leichten Regen weiter mit dem Velo dem Lago di Livigno entlang. Nach gut 16km kam dann das Dorf, die Stadt, welche den Namen des Sees trägt (oder umgekehrt). Livigno. Für zollfreies Einkaufen hatte ich keine Zeit. Zwinkernd So fuhr ich immer weiter, Richtung Forcola di Livigno. Ich "spürtete" den Berg hinauf, um der Kälte zu trotzen. Dies gelang mir auch gut bis auf die lieben Füsse... Die Schuhe waren ja seit Beginn nass. Folglich... kalte Füsse! Auf der Passhöhe war es dann auch sehr windig also nichts wie runter.

Nach der kurzen Abfahrt ging es das letzte Stück den Berninapass hinauf. Unterdessen entleerten sich die Wolken wieder heftiger. Meine Regenjacke zog ich bis zum Schluss nicht mehr ab. Als ich so den Berninapass hinauf radelte, liess ich nochmals das letzte Mal - 2 Tage zuvor - Revue passieren. Damals war es ein Kampf Mensch geben Berg. Und heute? Es lief mir sehr gut. Ich fuhr eine ruhige Pace ohne an die Grenzen zu stossen.

Auf dem Gipfel angekommen, ging dann abwärts nach Hause. Für die meisten Velofahrer sind wohl Abfahrten die schönsten Streckenabschnitte, aber ihr wisst ja, nicht meine Stärken. Mit nasser Fahrbahn noch viel weniger. Ich fuhr wie auf Eiern. So liess ich es sehr gemächlich nach unten rollen. No Risk! No F... No Fall!

Die Talstation erreichte ich ohne Sturz, ohne Platten, ohne Erfrierungen. Ein erfolgreicher Tag. Das Training gefiel mir sehr. Für die Statistiker: 94km; 3:23h; 27,6km/h.

Für morgen ist eine lange Etappe geplant (180km). Das Wetter, so Gott will, sollte auch mitspielen. Das Spezi-Pflaster am Fuss tat seinen Dienst vorzüglich. Keine Schmerzen! Lächelnd

Heute Abend sind Martin und ich noch bei Bürglers eingeladen. Mmmhhh... En Guete und bis morgen!

Tag 8

Martin:

Eigentlich sollte ja der 1. August ein freier Tag sein! Aber nicht so für uns. Im Gegenteil: Heute ging es bei beiden richtig zur Sache!

Ich nahm's erstmal gemütlich mit Morgenessen, etwas faulenzen, ins Tal fahren und dann noch mit der RhB nach Bever tuckern. Denn dort war heute mein Startort. Die geplante Tour war 2008 meine Königsetappe, in diesem Jahr will ich aber in der zweiten Woche noch eins drauf geben Lächelnd. Also bezeichne ich sie mal als Königsetappe der ersten Woche.

Der heutige Aufstieg lässt sich gut in zwei Teile gliedern. Die ersten 1'000 Höhenmeter verteilen sich auf 15 km, steile Passagen sind sehr selten. Eigentlich mag ich solche "sanfte" Aufstiege nicht besonders, aber vor allem das Val Bever, aber auch das Val Suvretta sind landschaftlich superschön. Wenn ich nicht zum trainieren da wäre, würde ich wohl unzählige Fotos schiessen...

Der zweite Teil ist dann genau das Gegenteil: 450 Höhenmeter verteilen sich auf gerade mal noch auf 2 km! Die Strecke vom Pass Suvretta zum Piz Nair führt durch eine Steinwüste und ist meistens abartig steil. Dazu kommt noch die dünne Luft, liegt doch der Piz Nair auf 3'050 M.ü.M. Die Kinder, die mir entgegenkamen, waren sogar mit Seil gesichert! Kinder??? Ja, man könnte eben auch mit der Bahn hochfahren...für alle die, welche es gemütlich mögen...

Oben angekommen, blies mir ein zügiger Wind um die Ohren. Für ein paar Fotos reichte es doch noch, bevor der Akku seinen Geist aufgab...Im Restaurant füllte ich meinen Bidon wieder auf und siehe da...Gratis-Wasser wurde mir offeriert! Letztes Jahr musste ich für dasselbe Wasser noch bezahlen (und nicht zu knapp!).

Danach begann der unangenehme Teil, der Abstieg! Nach kurzer Zeit gelangte ich zur Fuorcla Schlattein, soviel ich weiss, die einzige Fuorcla, die ich abwärts laufend bezwinge...Weiter gings zum Lej Alv, kurze Gegensteigung, Corviglia, Marguns und dann...damit es mir nach 800 Meter Abstieg ja nicht zu wohl wurde, baute ich bewusst eine knackige Gegensteigung ein. "Hart, aber herzlich" könnte man dazu sagen. Der Weg ist nämlich superschön, nur eben...es ging wieder 200 Höhenmeter berghoch, was meine Beine anfangs gar nicht lustig fanden! Ich fand jedoch einen erstaunlich guten Rhythmus und erreichte kurz später die Alp Clavadatsch. Von da an ging es dann wirklich nur noch bergab nach Samedan, wo ich als erstes einen sehnlichst erwarteten Brunnen aufsuchte. War es zu Beginn der Tour noch sehr angenehm mit Wechsel Sonne/Wolken, war es mittlerweile nur noch sonnig und auch dementsprechend warm. Frisch aufgetankt lief ich die letzten flachen Kilometer dem Fluss entlang nach Punt Muragl (Talstation). Dabei musste ich kurz an Thomas denken, denn der Gegenwind blies mir zügig ins Gesicht, und der gleiche Gegenwind würde ihn auf dem Heimweg ungleich länger begleiten...

Und jetzt freue ich mich auf das "Gala-Buffet" und das Fest. Mal schauen, wer und was heut Abend vom Tal hochkommt. Uebrigens, etwas darf ich nicht vergessen. Gestern wurden wir wie schon letztes Jahr von Helen & Armin Bürgler extrem verwöhnt. Das Essen & Trinken war vom Feinsten und ich sprühte heute vor Energie!

Und dann noch etwas Statistik zum heutigen Tag: 32,8 km, 1'600 Höhenmeter, 3h 22 min unterwegs.

Auf den Bericht von Thomas müsst ihr evtl. noch etwas warten...er schläft friedlich und um 19 Uhr gibts dann auch schon Apéro. Allen ein schönes "Geburtstagsfest", wo immer das ihr seid! Hopp Schwiiz!

Thomas:

Hallo Leute! Martin "zwang" mich den Bericht JETZT zu schreiben. Ja, ich schlief, oder besser gesagt, dösste ein wenig. Dies hatte auch seinen Grund.

Zuerst möchte ich mich (Martin natürlich auch) aber bei Familie Bürgler für das köstliche Essen und den angenehmen und interessanten Abend bedanken. Herzlichen Dank!

Zu meinem heutigen Training. Ich nahm die erste Bahn nach unten (07:45Uhr) und dies nachdem ich gestern die Letzte (23:00 Uhr) nahm. Wir waren ja, wie bereits erwähnt, bei Famiilie Bürgler zum Essen. Ich wählte bewusst eine frühe Bahn, weil es heute richtig lang wurde.

Um 08:10 Uhr ging es los. Volle Pulle ins Unterengadin. Rund 75 Kilometer später, war ich in Martin... ähhh... die weibliche Variante... in Martina. Hier überquerte ich das erste Mal eine Landesgrenze. Es folgten noch einige Zolldurchfahrten.

Ich war nun in Österreich im Aufstieg nach Nauders. Die Kurven nach oben waren nummeriert. 10, 9, 8, 7... 3, 2, 1, meins. Lächelnd Aufstieg geschafft! In Nauders blies mir - nicht das letzte Mal - der Wind heftig entgegen.

Ich kämpfte mich weiter und erreichte den Reschenpass und gleichzeitig auch Italien. Die Fahrt am Reschensee entlang wäre eigenlich sehr schön, aber eben... Gegenwind. Mit einem Gegenwind muss man den Kopf ganz tief halten, weshalb ich ausser Teer nicht viel sah. Für die Kirche, welche im See steht, richtete ich mich kurz auf. Zwinkernd

Nach dem See kam eine längere Abfahrt bevor ich dann in Mals in Richtung Schweiz abbog. Nach gut 10 Kilometer war ich wieder in der Schweiz. Die Zolldurchfahrten sind in der Regel immer ohne Probleme. Ich musste noch nie meine ID zeigen. Sie, wenn überhaupt jemand im Häuschen ist, winken mich durch.

Danach fuhr ich durch das ganze Val Müstair, der Region eines grossen Sportlers. Wisst ihr von wem die Rede ist? Genau! Dario Cologna. Weltcup-Gesamtsieger 2008/2009 im Langlauf.

Nun begann der Aufstieg auf den Ofenpass. Zum Glück war der Himmel ein wenig bewölkt, ansonsten hätte es wieder einmal eine Hitzeschlacht gegeben. Es war auch so genug heiss. Ohne Nennenswertes ging es hoch und gleich wieder runter.

In Zernez gönnte ich mir den ersten längeren Halt. Tachostand: 161 Kilometer! Noch blieben mir 30 und dies mit dem Maloyawind im Gesicht! Toll. Ich radelte was das Zeug her gab. Hoffentlich habe ich nicht zu viel Energie verpufft.

Ich muss mich ein wenig beeilen mit Schreiben. Apéro-Time im Hotel! Lächelnd

Die letzten 8 Kilometer hatte ich noch einen Rucksack dabei sprich Velofahrer. Als ich ihn überholte, hängte er sich an mich. Na toll! Ich hatte bereits 183 Kilometer in den Beinen und dann dies noch. Umgekehrt wäre mir lieber gewesen. Brüllend

Nach 7:23h war ich am Ziel. Zwar fertig, aber glücklich diese Monsteretappe geschafft zu haben.

Ich wünsche allnen einen schönen Feiertag! Lasst es krachen!

Tag 9

Thomas:

Wie schnell die Zeit doch vergeht. Schon der 9. Tag hier im Engadin. Natürlich immer schade, wenn die Ferien so schnell vorbei gehen, aber wir haben ja noch einige schöne Tage vor uns. Ferien? Eigentlich sind dies keine Ferien im Sinne von Erholung. Wir sind immer im Stress und uns bleibt wirklich nicht viel Zeit für anderes. Ein Müsterchen eines typischen Tagesablauf von mir: 0800 Morgenessen. 0910-0940 "Ufs Bändli". 0930-1000 Beginn Velotraining. 1610-1710 "Ufs Bändli". 1700-1800 Duschen. 1900-2100 Abendessen. 2100-2200 Bericht schreiben. 2200-2300 Schlafen. Martin's Tage sind sehr ähnlich, aber er pennt noch 2 Stunden am Nachmittag. Er kann ja nicht gut 5, 6 , 7 Stunden laufen und deshalb hat er etwas mehr "Freizeit". Ich darf dafür während des Trainings immer sitzen! Zwinkernd Wobei sitzen nicht unbedingt bequem sein muss! Ich rate jedem Nicht-Velofahrer/in einmal 3-5 Stunden zu radeln und am nächsten Tag wieder auf den Sattel sitzen. Wirklich nur kurz drauf sitzen! Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch an alles.

Nun zum heutigen Training. Ich hatte eigentlich eine weitere Monsteretappe geplant (Julier-, Splügen- und Maloyapass), aber die Wetterprognosen waren zu schlecht. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! So schloss ich mich spontan Petra Henzi an. Sie wollte eine abgekürzte Variante meiner gestrigen Tour machen und ich konnte dieses Angebot einfach nicht ablehnen. Cool Erstens, weil ich endlich jemand zum Windschattenfahren gefunden hatte und zweitens nicht mehr stundenlang alleine in den Bergen fahren musste und drittens... sie ist eine Weltmeisterin. Was für ein Privileg mit einer solchen Spitzensportlerin zu trainieren.

Wir fuhren mit dem Auto nach Zernez, was bedeute, dass die Runde heute gut 60 Kilometer kürzer sein wird als gestrige. Immerhin ergab dies noch 130 Kilometer. Ich genoss es am Hinterrad von Petra. Es fährt sich einfach viel leichter im Windschatten und sogar kleinere Aufstiege schaffst du spielend leicht. Ich war auch sehr motiviert. Natürlich wollte ich mir auch keine Blösse geben und versuchte keine Schwäche zu zeigen. Typisch Mann halt! Die Beine von Petra gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Ist ja auch nicht verwunderlich, sah ich sie ja meisten nur von hinten. Sie ist perfekt durchtrainiert und trotzdem sexy. Lächelnd

Im Aufstieg nach Nauders versuchte ich solange wie möglich ihre Pace zu halten. Noch ein Nachtrag: Es sind 11 Kurven bis Nauders und nicht 10 wie gestern berichtet. In Kurve 6 - also nach 5 Kurven - musste ich abreissen lassen. Ich konnte das Tempo realtiv hoch halten und den Rückstand in vernünftigen Grenzen halten.

Von Nauders bis zum Reschenpass... das gleiche Spiel wie gestern. Extremer Gegenwind nur diesmal konnte ich mich "verstecken", was die Sache für mich vereinfachte. Am Reschensee fuhr ich diesmal rechts dem Ufer entlang. Ein wunderschöner Radweg ohne Autos, Cars und Lastwagen. Bald einmal waren wir in Mals, wo wir rechts ins Münstertal abbogen. Petra "schleickte" mich bis kurz vor dem Ofenpass hoch, aber dann musste ich mein eigenes Tempo fahren. Sie ist halt Profi und ich ein Hobbyfahrer auch wenn man(n) es nicht wahr haben möchte.

Auf dem Ofenpass genehmigten wir uns schnell eine Coca-Cola bevor runter nach Zernez ging. Bis hierhin hatten wir Glück mit dem Wetter und hatten durchgehend trockenes und meist sonniges Wetter, jedoch hatte ich es versäumt mich einzucrémen. Resultat: Rote Arme mit den typischen "Rändli"!

In der Abfahrt verlor ich fast noch mehr Zeit als im Aufstieg. Verlegen Erschwerend für mich begann es auch noch zu regnen. Ich liess sie (zwangläufig) ziehen und wir sahen uns erst in Zernez wieder.

Trainingsdaten von heute: 5:11h, 130km, 25km/h

Martin:

So, zu später Stunde probiere ich auch noch ein paar Zeilen in den PC zu hämmern. Eigentlich wollte ich ja um diese Zeit schon fertig sein (sprich: schlafen), aber da kam dieser Telefonanruf dazwischen Lächelnd...Nein, nicht von der Petra Henzi mit den sexy Beinen (Zitat Thomas), sondern von Andrea, bei der nicht nur die Beine sexy sind Lächelnd!

Jetzt bin ich etwas abgeschweift, was? Wisst ihr, morgen ist unser Ruhetag und irgendwie bin ich so kaputt von den letzten Touren (wie es sein muss vor dem Ruhetag...damit kein schlechtes Gewissen aufkommt...), dass ich halt schon ab und zu an anderes denke als trainieren!

Dies fing schon heute auf meiner Tour an. Während der ersten 1 1/2 Stunden war ich so viel am "fötelen" wie noch nie in dieser Woche. Irgendwie war ich heute mehr der Geniesser als der Trainierer...zumindest vorerst...

Der Reihe nach. Um 11 Uhr startete ich bei der Talstation in Punt Muragl. Ich muss noch sagen, dass ich die Tour kurzfristig geändert habe, da die Wetteraussichten nicht sonderlich gut waren und bereits am Morgen ein erster Regenguss niederging. So wollte ich mich nicht allzu hoch oben aufhalten, wenn es tatsächlich wieder regnen oder stürmen sollte.

Als ich loslief, herrschte mittlerweile Traumwetter und so lief ich auf einer superschönen Waldstrecke via Pontresina Richtung Morteratsch. Kurz vor Morteratsch gings hoch zu einem ersten Aussichtspunkt, der Chünetta. Kurz danach sah ich einen Abzweiger zum unteren Ende des Morteratschgletschers, dachte mir aber, dies sei noch etwas früh, um abzuzweigen, obwohl ich eigentlich wusste, dass es gemäss Landkarte danach keine Möglichkeit mehr gab, abzuzweigen. So lief ich und lief ich...bis...ich bei der Bovalhütte (SAC) ankam. Die Bovalhütte liegt auf 2'500 Meter über Meer und ist bekannter Ausgangspunkt für verschiedenste Bergtouren. Der Blick in die Gletscherwelt ist zudem einmalig. Nur schon für das lohnte sich mein Trip, auch wenn mir zuhinterst im Tal ein stürmischer Wind entgegenblies und erste Tropfen vom Himmel fielen.

Nun galt es, denselben Weg wieder zurückzulaufen. Das mit den Tropfen hörte wieder auf und nun blies mir der Wind in den Rücken; wie angenehm! Allerdings ist der Weg überhaupt nicht für Läufer geeignet. Ich musste mich enorm konzentrieren, um mich durch das mit vielen Steinen durchsetzte Gelände durchzuschleichen. Diese 20 Minuten zurück kann ich getrost unter dem Motto "Techniktraining" oder "Koordinationstraining" abbuchen. Dies tut zwar zwischendurch jedem Läufer mal gut; aber eben nicht mit der gestrigen harten Etappe in den Beinen.

Nun, es ging alles gut und später liess ich es bis Pontresina auf mittlerweile gut ausgebauten Wegen ganz schön rollen.

Nach ca. 2 3/4 Stunden folgte nun noch das "Zückerchen" des Tages. Der Schlussaufstieg von Pontresina nach Muottas Muragl mit 650 Höhenmetern. Zum Glück ist dieser Aufstieg nicht durchgehend steil, aber kurz vor dem Ziel waren meine Beine nur noch Pudding und machten mit mir, was sie wollten. Mein grösstes Ziel war nun nur noch, ohne Verletzung "nach Hause" zu kommen.

Und da waren wieder diese Regentropfen, welche mich am Ende begleiteten. Kaum im Zimmer oben, goss es dann richtig und kurz später folgte ein heftiges Gewitter mit Sturm. Ganz schön mitanzusehen, wenn man es wohlbehütet aus dem Zimmer mitverfolgen kann...Da hat es jemand gut mit mir gemeint Lächelnd!

Danach kam der von Thomas bereits erwähnte gemütliche Teil (faulenzen) und beim Nachtessen durften wir einige neue, aber altbekannte Sportlergesichter begrüssen. Viktor Röthlin traf heute mit seinem Trainingspartner Abraham Tandoi (Kenia) ein und Marcel Tschopp, mit dem ich wohl das eine oder andere Training bestreiten werde, haust gemeinsam mit Domi Zünd (Radrennfahrer) für zwei Wochen hier oben.

Nach einem wie immer sehr feinen Essen genossen wir noch etwas die Abendstimmung, die hier oben immer wieder einzigartig ist, und nun...genau, nun gehen wir definitiv schlafen!

Wir wünschen euch einen guten Wochenstart und werden uns natürlich auch morgen, an unserem Ruhetag, wieder melden...

Ach ja, noch etwas Statistik zu meiner Tour: 33,3 km, 1'600 Höhenmeter (davon aber nur 950 wieder runter), 3h 27 min unterwegs.

Gute Nacht und pfused guet!

Tag 10

Heute gibt es nicht viel zu berichten. Kein Training, sondern absoluter Ruhetag. Und trotzdem war es heute hart und schmerzhaft für uns beide. Nein, nicht wegen dem ganztägigen Regenschauer. Nein, nicht weil wir zu viel Kaffee und Kuchen (unter anderem mit Helen und Armin) gegessen haben. Der Schmerz hat ein Name: Corina Gmür! Die Massage war es. Bei Sportlern muss die Massage weh tun so komisch auch das Klingen mag. Die Muskulatur muss wieder geschmeidig und alle Verhärtungen müssen eliminiert werden.

Ansonsten unternahmen wir eigentlich nichts. Ruhetag halt, wie er sein muss. Letztes Jahr gingen wir noch auf die Diavolezza , aber heuer bei dem Wetter... Nee. Ich, also der Velofahrer, reinigte noch das Rennrad.

Das war es für heute. Martin schläft bereits neben mir und ich muss das Licht löschen...

Zur Info: Morgen wird wieder trainiert, dann gibt es wieder mehr "Stoff" zum Schreiben. Martin wird gleich 2 Einheiten laufen und ich werde wieder 5-6 Stunden auf dem Sattel sitzen und durch die schöne Landschaft radeln.

Gute Nacht und liebe Grüsse aus Muottas Muragl

Tag 11

Martin:

Hallo, da bin ich wieder. Etwas spät, ich weiss, aber das ist wieder eine eigene Story...Nun schön der Reihe nach...

Das war ja ein schöner Tag gestern. Nicht wegen dem Wetter, sondern wegen dem Faulenzen. Das hat richtig gut getan. Am Abend fühlte ich mich schon wieder richtig erholt (Ruhepuls: 31!) und hatte auch mental schon wieder richtig Bock auf Training!

Deshalb ging es heute bereits mit dem ersten Bähnli (ohne Probleme!) runter vom Berg. Wir waren zu viert, Viktor und Abraham machten aber ihre eigene Runde. Ich absolvierte mit Mäse eine lockere, 53-minütige, flache Runde beim Flugplatz Samedan. Wir waren wohl mehr am schwatzen als richtig am trainieren. Am Ende hatten wir gerade mal einen Minutenschnitt (für einen km) von 05:13 vorzuweisen! Aber das harte Training sollte für uns beide später noch bevorstehen...

Nach dem Frühstück war relaxen angesagt, danach ausnahmsweise Mittagessen, wieder relaxen und...moment, da war noch was. Mittagessen!!! Ich verlegte das heutige Training extra in den Abend, da das Wetter dann besser sein sollte (denkste...). Also musste ich zu Mittag essen, da ich sonst so ziemlich verhungert wäre. Ich dachte da an eine Portion leicht verdauliche Spaghetti...Dachte!!! Wir (Mäse und ich) bekamen nach einer Suppe ein superfeines Menu auf den Tisch gezaubert: Eine grosse Portion Kalbsleberli mit Kartoffelstock! Es war wirklich sehr fein, nur befielen mich da schon leise Zweifel betr. Verdaulichkeit. So verlegte ich mein 2. Training nochmals um eine Stunde nach hinten...

Okay, ich fuhr dann später mit dem Bus nach Maloja, denn heute wollte ich von Maloja zurück nach Muottas Muragl laufen. Normalerweise läuft man diese Strecke wegen des berühmten Maloja-Windes schön im Rückenwind. Aber heute war's eben nicht normal... Bis Sils (45 min.) hatte ich Rückenwind (und etwas Sonne), dann blies mir plötzlich kühler Gegenwind entgegen (ohne Sonne), und dies sollte sich bis zum Ende nicht mehr ändern. Aber das war ja nicht mein grösstes Problem, denn...

...da waren ja noch die Kalbsleberli. Ich muss nicht genauer beschreiben, wie ich mich gefühlt habe. Die ersten 45 Minuten waren ganz hart, ich konnte aus Rücksichtnahme auf meinen Magen nur limitiert schnell laufen, danach wurde es teilweise wenigstens besser, aber die Leberli begleiteten mich bis auf den Berg. Immerhin konnte ich nach den besagten 45 Minuten noch etwas auf Tempo laufen, meine Beine fühlten sich gut an und die Schlusssteigung von der Tal- zur Bergstation (710 Höhenmeter auf 3,7 km) ging auch einigermassen flott. Erst im Hotelzimmer merkte ich, dass ich ziemlich unterkühlt und unterzuckert war und so musste zuerst ein lange, heisse Dusche her, und beim Abendessen danach trank ich beinahe 1 Liter Cola (!), wie wenn es Wasser wäre... Mein Körper schrie richtiggehend danach. Zum Essen musste ich mich dafür eher zwingen, ihr wisst schon...die Kalbsleberli waren irgendwie immer noch präsent...

Noch etwas zum 2. Training. Eigentlich ist dies "das Training der Seen": Silsersee, Silvaplanersee, Unterer Silvaplanersee, Champférsee, St. Moritzersee und Stazersee. Etwas für Geniesser (wenn da nicht die Kalbsleberli gewesen wären...).

Und noch etwas Statistik zum Abendtraining: 26,5 km, 900 Höhenmeter, 2h 19 min unterwegs...Den Vergleich mit dem Bähnli habe ich leider auch heute wieder verloren. Benötigt doch das Bähnli von unten nach oben nur 10 Minuten und ich 34 Minuten Lächelnd.

So, hoffen wir auf angenehmeres Wetter morgen. Da gehts bei mir wieder etwas höher hinaus.

Lassen wir Thomas von seinem Radtraining erzählen. So richtig ins Schwitzen kam auch er heute nicht...

Thomas:

Martin sagt's! Schwitzen? Ich habe heute erlebt, was es heisst, (er)frieren auf dem Velo. Aber alles der Reihe nach.

Ich ging auch relativ spät ins Tal, weil die Wetterprognosen für die zweite Hälfte des Tages Besserung versprach. Um ca. 10:30 Uhr fuhr ich los. Im Kopf hatte ich die Route Flüela- und Albulapass, welche ich bereits am 3. Tag absolvierte. Diese Etappe diente als "Einrollen" für die Big3Days. Mit "Einrollen" meine ich 138km und 2300 Höhenmeter! Zwinkernd

Zuerst ging es in Richtung Zernez, aber diesmal nicht mit - Martin hat es oben bereits erwähnt - sondern gegen den Wind!?!? Der bekannte Maloyawind war für einmal nicht vorhanden. So versuchte ich mich möglichst klein zu machen, um dem Wind wenig Angriffsfläche zu bieten. Der Wind war nicht so stark und ich konnte deshalb bis Zernez einen 32er fahren. Bis zum Aufstieg zum Flüelapass sprich zur Ortschaft Susch, war es ein Katzensprung. Auf den vergangenen Kilometern hatte es immer wieder getröpfelt, aber der grosse Regen blieb zum Glück vorerst aus. Die Temperaturen waren empfindlich kühl. Ich trug oben und unten lang!

Im Aufstieg wurde es mir rasch warm. Die ersten paar 100 Meter empfinde ich immer besonders steil und anstrengend, aber ich finde jeweils meinen Rhythmus schnell. Je höher ich kam - die Passhöhe liegt auf 2383 m.ü.M. - desto frischer wurde es. Die Strassen wurden auch immer dunkler bzw. nässer je weiter ich hoch fuhr. Bald einmal hatte ich den Gipfel erreicht. Für eine grosse Pause war mir nicht zumute. Nieselregen und Nebel und dies bei 7 Grad Celcius. Brrrr...

Die Abfahrt war dann der Horror. Erstens - ja, ich wiederhole mich zum x-Mal - Abfahrten hasse ich, dazu kam die nasse Fahrbahn und zweitens: die Kälte war grausam. Bitter kalt! Ich verkrampfte mich extern auf dem Velo. Ich konnte so oder so nicht laufen lassen. Je schneller ich fuhr desto kälter wurde es mir! BrüllendIn Davos angekommen, musste ich zuerst am Kiosk einen XXL-Kaffee kaufen um meine Hände zu wärmen (und von innen). Die Kälte ging bzw. hing in die Knochen.

Die Fahrt ins Landwassertal herunter, wärmte mich auch nicht mehr auf und der Albulapass gab mir nur bedingt die Wärme zurück. Trotzdem bin ich mit der Fahrt, mit dem Aufstieg sehr zufrieden. Konnte ich doch zügig hoch fahren und musste kaum leiden. Auf der Passhöhe war es hier zum Glück trocken, aber ebenfalls kühl. So schnell wir möglich runter vom Berg, sagte ich mir.

In La Punt angekommen, - am Fusse des Albula-Aufstieges - lagen nur noch gut 10 Kilometer vor mir. Und diesmal sogar mit Rückenwind (auf jeden Fall kein Gegenwind!) Schwupdiwup und ich war an der Talstation. Zeit? 5:57, d. h., rund 30 Minuten schneller als am 3. Tag. Nicht schlecht, oder?

Die Kälte wollte auch nach einer warmen Dusche nicht weichen. Erst das Abendesssen (Suppe!) liess die Kälte schwinden.

Für morgen ist eine Reise in den Süden geplant. Lasst euch überraschen!

Tag 12

Martin:

Hallo ins Unterland! War das ein Traumstart heute: Muottas Muragl über dem Oberengadiner Nebelmeer im Sonnenlicht! Das hob die Stimmung und machte richtig Lust, die Natur zu geniessen!

Leider dachten viele andere Leute auch so. Völkerwanderung in den Bergen könnte man dazu auch sagen. Ich hatte jedenfalls Glück, dass ich mich gerade noch irgendwie in den Bus, der mich nach Silvaplana brachte, reinzwängen konnte.

In Silvaplana angekommen nahm ich's erst mal gemütlich, Fototime war angesagt. Und als ich dann um ca. 11:15 Uhr loslief, entdeckte ich schon bald einen prächtigen Wasserfall, zu dem man gem. Wegweiser hochlaufen konnte. Dies liess ich mir nicht entgehen und deshalb war schon bald wieder Fototime Lächelnd. Dann startete ich aber definitiv mein richtiges Training und merkte schon bald...dass heute nicht gerade mein Supertag war. Fühlte mich ziemlich ohne Power, die Frage ist nun wieso? Drei Ursachen kommen in Frage: Das späte (Berg-) Training gestern Abend, die Kälte von gestern, oder der Liter Cola...War wohl ein bisschen von allem.

So, fertig gejammertLächelnd! Nichtsdestotrotz lief ich hoch, höher und noch höher. Im Gegensatz zu gestern plante ich heute die Hauptsteigung nicht zum Ende, sondern zu Beginn ein. Und so kam ich nach einigen steilen Passagen bereits nach einer Stunde mit 1'000 Höhenmetern in den Beinen auf der Fuorcla Surlej (2'750 M.ü.M.) an. Einer der schönsten Fuorclas mit herrlichem Blick ins Val Roseg und auf die höchsten Gipfel des Bernina-Massivs. Eine Familie, welche ich bereits unten im Bus getroffen hatte, war mittlerweile auch auf der Fuorcla (es gibt eben auch da ein Bähnli bis fast ganz rauf) und bot mir was zu essen an. Mmmmmh, Wurst und Käse, nur mit Mühe konnte ich widerstehen!

Danach folgte Neuland für mich. Ich lief bis zuhinterst ins Val Roseg zur SAC-Hütte Coaz auf 2'600 M.ü.M., der Weg ging einigermassen zum Laufen, war aber elend lang. Bei der Hütte angekommen zeigte meine Uhr bereits 1h 50 min. Vom Ausblick her lohnte es sich auf alle Fälle. Mitten in den Gletschern zu sein, erlebt man nicht alle Tage.

Von da an gings (beinahe) nur noch abwärts. Erstens mit dem Weg, zweitens mit mir. Bis zum Gletschersee auf 2'100 M.ü.M. musste ich viele Passagen wandern, weil der Weg zum Laufen zu eng, steinig, rutschig und damit schlicht zu gefährlich war. Dummerweise fährt das noch viel mehr ein, als wenn man ganz normal bergablaufen kann. Da ich bereits lange unterwegs war, kam nun auch schon der erste Hunger auf und ich wusste etwa, wie weit es noch bis nach Punt Muragl sein würde.

Den restlichen Weg will ich euch ersparen. Ich mag mich auch nicht mehr so genau erinnern, denn vom superschönen Val Roseg hab ich nicht mehr viel mitbekommen. Ich war einfach nur froh, dass ich nach 3h 38 min endlich an der Talstation ankam. Ziemlich ausgehungert machte ich mich über meinen Recovery Shake und ein Twix her Lächelnd, und schon sah die Welt wieder etwas besser aus!

Konsequenz dieses überlangen Trainings. Ich verschiebe meine "Königsetappe" auf Freitag, denn was ich da vorhabe, würde ich morgen kaum laufen können, zumal mir meine Beinmuckis heute gegen Ende deutliche Zeichen gaben. Deshalb morgen nur 1 Stunde laufen und sonst Energie tanken für die BIG TOUR!

Energie tanken ist ein gutes Stichwort. Das Nachtessen wartet.

Wartet ist auch ein gutes Stichwort. Wartet heute nicht auf Thomas' Bericht, denn der isst heute Abend auswärts und wird deshalb nicht mehr zum Schreiben kommen. Dafür werdet ihr morgen Abend umso mehr News von ihm erhalten!

En Guete und bis bald! Die Berggeiss...

Thomas:

Da ich gestern im Tal gegessen habe - Martin hat es gestern bereits erwähnt - und es etwas später wurde, schreibe ich mit einem Tag Verspätung meinen Bericht.

Nach der kalten, eiskalten Fahrt von tags davor über den Flüelapass, beschloss ich in den Süden zu fahren.

Mit der ersten Bahn sprich 07:45 Uhr fuhr ich ins Tal.

Die Küche des Berghotels machte mir am Vorabend 2 Käse-Sandwichs damit ich nicht „nüchtern“ auf diese grosse Tour musste. Übrigens muss man dem Personal des Hotels einmal ein grosses Dankeschön aussprechen. Wir werden hier verwöhnt nach Strich und Faden. Wir fühlen uns wie Könige.

Unten im Tal, unter der Nebeldecke (Malojaschlange), war es recht kühl. Brrrr! Heute schon wieder frieren?

Ich fuhr bald Richtung Berninapass los. Auf dem Pass schien bereits die Sonne. Herrlich! Danach kam die lange Abfahrt nach Tirano (29km). Für mich war, wie immer, die Abfahrt mehr Stress als Vergnügen.

In Tirano angekommen, war es sommerlich warm. In der Ebene radelte ich dem Comersee zu und es wurde immer wärmer und wärmer. Die Ebene liegt auf ca. 300 m. ü. M. und die Temperaturen waren bald einmal bei 30 Grad Celsius. Wohlverstanden im Schatten! Das sind schon extreme Temperaturschwankungen, welche ich über mich gehen lassen muss/darf.

Erschwerend zur Hitze kamen die miserablen Strassen in Italien. Diese sind in einem erbärmlichen Zustand, welche man so in der Schweiz kaum antrifft. Anstatt die Strassen zu sanieren, stellen sie überall Verkehrstafeln auf, welche darauf hin deuten, dass es nun „holperig“ wird. Als weiteres fuhr ich auf einer Hauptverkehrsachse, was gleich bedeutend mit sehr vielen Autos ist. Dieses flache Stück, gut 80 Kilometer lang, versuchte ich so zügig wie möglich zu absolvieren.

In Chiavenna (325 m. ü. M.) angekommen, immer noch auf italienischem Territorium, ging es dann zurück in die Schweiz. Es galt nun noch den Malojapass zu bewältigen. Ein 43km langer Aufstieg - natürlich geht nicht immer bergauf - mit 1500 Höhenmeter. Vor allem der Schlussteil, ab Casaccia, war noch sehr anspruchvoll.

Auf der Passhöhe konnte ich durch atmen. Der erste Pass ohne Abfahrt! Lächelnd Maloja liegt in der Hochebene des Oberengadin. Mit dem Malojawind im Rücken konnte ich zügig nach „Hause“ fahren.

Nach 7:36h oder 191km später war das Tagespensum erreicht. Es war ein gutes, aber langes Einrollen für die morgige „Königsetappe“.

Tag 13

Martin:

Hallo, ich schon wieder? Genau, ihr müsst schon wieder mit mir vorlieb nehmen, aber...

...wartet nur! Thomas liegt neben mir und bereitet sich mental auf das vor, was er euch gleich erzählen wird. Ich hoffe, er schläft bis dahin nicht ein, denn es wird spannend...

Ich fasse mich für einmal kurz Lächelnd. Ich habe mir gestern den guten Vorsatz genommen, mich heute etwas zu erholen. Und ich muss gestehen: Vorsatz nur teilweise erfüllt. Ich war zwar "nur" etwas mehr als 1 1/2 Stunden unterwegs, aber ich konnte es einfach nicht lassen und musste wieder einen (kleinen) Berg hochspringen. So eine dieser Spontanentscheidungen halt...

So lief ich nach einem gemütlichen Beginn via Stazersee und St. Moritzersee zur Stazeralp und dann eben weiter hoch bis zur Muottas da Schlagrina auf 2'300 M.ü.M. Von der Aussicht her lohnte es sich alleweil, der Abstieg war dann leider und nicht ganz überraschend wieder sehr mühsam. Via Stazersee, wo ich gerne noch ein Bad genommen hätte, ging es wieder zurück zur Talstation. Total kamen so auch heute wieder 650 Höhenmeter zusammen.

Nun erwarte ich gespannt den morgigen Tag, Den letzten Trainingstag hier oben und für den habe ich mir den "Leckerbissen" schlechthin aufgespart. So viele Höhenmeter habe ich, seit ich laufe, noch nie an einem Tag absolviert. Diese Tour wird crazy Lächelnd !

Ich hoffe, der Vollmond hält mich nicht vom Schlafen ab und apropos Vollmond, ich denke da gerade an eine bestimmte Person und hab noch was zu erledigen Lächelnd! Das heisst, ich lass jetzt endlich den Thomas auf die Tastatur hämmern...Viel Vergnügen, und ich warne euch jetzt schon vor seinem Bericht nach dem Motto: "Nachmachen strengstens verboten"!

Thomas:

„Königsetappe“! Ich glaube, dass diese Route, welche ich wählte, denn Namen mehr als verdient. Für mich als „Hobbyfahrer“ genau richtig! Lächelnd

Ich stellte mich auf einen langen Tag ein, weshalb ich wiederum die erste Bahn nach unten nahm. Ich wollte noch vor dem Eindunkeln zu „Hause“ sein. Zwinkernd

Es standen 5,5 Pässe (Berninapass „nur“ die letzten 4 Kilometer deshalb 5,5) vor mir und zwar folgende: Ofenpass, Stilfserjoch, Passo di Foscagno, Passo d’Eira, Forcola di Livigno und zum „Dessert“ der Berninapass.

Bis Zernez rollte ich mich ein. Der Schnitt lag bei gemütlichen 32km/h. Auch der Ofenpass nahm ich gemächlich und es dauerte etwas länger als geplant, aber ich hatte einen grossen Respekt vor der ganzen Tour und wollte mich nicht „verheizen“. Des Weiteren wollte ich den wunderschönen Tag einfach geniessen. Ohne Zeitdruck. Ohne Stress.

Um 12:00 Uhr nahm ich dann das Stilfserjoch in Angriff. Ich hatte schon viel vom Aufstieg gehört und freute mich riesig auf diese Herausforderung. Ein Muss für jeden Velofahrer! Einige Zahlen zu diesem Aufstieg: Ausgangspunkt ist Prato allo Stelvio (911 m. ü. M.); Passhöhe liegt auf 2757 m. ü. M.; 48 Kehren (rückwärts nummeriert also 48, 47, 46, usw.); Länge ca. 26 Kilometer.

Der Beginn war sanft. Bis die erste Tafel sprich Nummer 48 auftauchte, dauerte es eine Weile. Auch die weiteren folgten nicht sogleich. Aber dann… eine Kehre nach der anderen. Ich mag diese Serpentinen sehr. Wenn man erst einmal die Hälfte geschafft, dann schafft man auch den Rest. Kurz später lief der Countdown: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1. Yeah! Überglücklich genoss ich den Augenblick. Es war ein Superaufstieg, der Schönste des gesamten Trainingslagers. Ich brauchte gut 2,5 Stunden für die letzten 26 Kilometer. Auf dem Pass ist die Hölle los. Viele Leute, vor allem Velofahrer, viele Stände mit Essen, Trinken und Souvenirs.

Ich beschloss deshalb gleich weiter zu ziehen und nahm die Abfahrt nach Bormio unter die Räder. In Bormio (1200 m. ü. M.) war es wieder wie im Backofen. Ich stellte mich aber auf diese Hitze mental ein, weshalb sie mich nicht so berührte.

Es folgte der lange Aufstieg auf den Passo di Foscagno (2291 m. ü. M.). Kilometer für Kilometer bzw. Meter für Meter näherte ich mich der Passhöhe. Unterdessen war ich fast 9 Stunden unterwegs. Auf dem Gipfel ass ich den 4. und letzten Sponsor-Riegel. Wie hasse ich diese Riegel, aber sie sind wohl notwenig für solche lange Strecken.

Die nächste Station war der Passo d’Eira (2208 m. ü. M.). Dieser kleine und unscheinbare Aufstieg machte mich fast alle. Das Pulver war verschossen. Die Körner aufgebraucht. Das Geniessen der Tour wurde allmählich zur Totour.

Livigno! Fast zu Hause, aber eben nur fast. 50 Kilometer lagen noch vor mir. Der Aufstieg zur Forcola di Livigno (2315 m. ü. M.) liegt mir eigentlich, aber heute mit Gegenwind und über 9 Stunden in den Beinen… Ich kämpfte mich hoch.

Da waren’s nur noch einer (von einmal 6). 4 Kilometer vom Berninapass (2328 m. ü. M.) sind noch zu meistern. Ich glaubte immer an ein gutes Ende und fuhr ohne Kraft und Saft Meter für Meter hoch. Zeitweise zeigte mein Tacho in diesen Passagen eine Geschwindigkeit von 7.4km/h an. Also beinahe stillstand, aber nur beinahe. Um 18:35 Uhr erreichte ich Passhöhe.

Es war geschafft! Ich war nun seit über 10 Stunden unterwegs. Was nun folgte, war die Abfahrt zum Ausgangspunkt. Da konnte nichts mehr passieren.

Um 19:16 Uhr war ich am Ziel sprich an der Talstation. Im Grossen und Ganzen genoss ich den wunderschönen Tag auf einer sehr anspruchsvollen, aber schönen Runde. Ich war natürlich froh, endlich ab dem Sattel zu steigen. Mir taten einige Körperteile weh, aber die Freude über das Erreichte überwog.

Für die Statistik: 210km und 4500 Höhenmeter.

Das ist also mein erster 200er und dies nach einem 190er einen Tag davor. In den letzen beiden Tagen machte ich 400km und 6500 Höhenmeter. Nicht schlecht für ein Newbie, oder?

Das war’s meinerseits. Ich habe die Einheit für morgen ersatzlos gestrichen. Morgen werde ich faulenzen und vielleicht nochmals einen Saunabesuch machen.

Gute Nacht! Ich werde bestimmt sehr gut schlafen.

Tag 14

Martin:

Tag 14...und damit der letzte Trainingstag der Ausgabe "Trainingslager Muottas Muragl 2009"; zumindest für mich, denn Thomas genoss heute noch einen Tag "richtige" Ferien.

Nun, ich habe gestern was Besonderes angekündigt, meine "Königsetappe". Ich kann es vorwegnehmen: Es war genial und ich habe meinen bisherigen Höhenmeterrekord (im Training) geknackt.

Schön der Reihe nach...

Ich hatte riesigen Respekt vor diesem Tag. Ich wusste ja nicht, zu was ich nach 2 Wochen hartem Training überhaupt noch fähig war. Und so war ich heute Morgen ähnlich angespannt wie vor einem wichtigen Wettkampf!

Nach ausgiebigem Morgenessen und einer Verdauungsstunde genoss ich heute einen Sonderservice! Thomas fuhr mit mir ins Tal runter und brachte mich mit dem Auto zum Ausgangspunkt Bernina Suot. Schön, solche Freunde zu haben! So lief ich um 11:15 Uhr auf 2'040 M.ü.M. los und nach 10 Minuten einlaufen ging es zur Sache. Innerhalb von 30 Minuten überwand ich 750 Höhenmeter, bevor es durch eine spannende Hochebene zur Fuorcla Pischa ging, welche ich nach 50 Minuten erreichte. Die ersten Schneefelder hatte ich da bereits gequert und es sollten noch einige mehr dazukommen...

Danach ging's nämlich nicht runter, sondern auf einem Höhenweg (zwischen 2'800 und 2'900 M.ü.M), der Crasta Languard entlang Richtung Piz Languard. Dieser Berg bildete auch in diesem Jahr das "Dach" des Trainingslagers und ist mit seinen 3'261 Metern wohl einer der höchsten Berge, welche auf einem "normalen" Bergwanderweg erreicht werden können. 100 Meter unterhalb des Gipfels liegt die Georgyhütte, bei welcher sich die Wanderer stärken können...

Ich fühlte mich heute wieder viel besser als auch schon und so konnte ich bis knapp unterhalb der Hütte alles im Laufschritt bewältigen. Nachher ist dies leider nicht mehr möglich, weil es schlicht zu steil, steinig, schmal und damit für Läufer zu gefährlich wird. Ich kraxelte aber möglichst schnell den Rest des Berges hoch und erreichte bereits nach 1h 20 min den Gipfel.

Danach gings den gleichen Weg wieder zurück; einer dieser Wege, wo ich bergab mehr Zeit benötige als bergauf. Höchste Konzentration war gefordert, denn ein Fehltritt kann dort oben schlimme Folgen haben...

Was jetzt folgte war eigentlich die Besonderheit dieser Tour. Im letzten Jahr blieb ich immer auf über 2'500 M.ü.M., aber diesmal wollte ich mich nochmals richtig fordern. Will heissen: Total 1'400 Höhenmeter Abstieg via Paradieshütte und Alp Languard nach Pontresina. Für einmal war zumindest der untere Teil des Abstiegs sehr angenehm (nicht für die Beine, aber vom Weg her). Nach knapp 2 1/2 Stunden Laufzeit kam ich im Dorf unten an, verpflegte mich, füllte meine Trinkflasche, denn nun sollte es mit meinen "Puddingbeinen" (vom bergablaufen) gleich wieder in die Höhe gehen. 900 weitere Höhenmeter Aufstieg warteten auf mich. Ziel Segantinihütte via Unterer Schafberg.

Los gings! Unten fand ich schnell einen guten Rhythmus, nicht mehr sonderlich schnell, aber angenehm. Dazu kam, dass ich im Wald schön vor der Sonne geschützt war. Schon bald kam ein leichtes Hungergefühl und Durst auf, und die Müdigkeit schlich sich immer mehr in die Beine (und den ganzen Körper). Schon vor dem Unteren Schafberg (auf 2'250 M.ü.M) hätte ich grösste Lust gehabt, nur noch zu wandern, aber ich erinnerte mich an den Zweck der "Plagerei": Mental bereit zu sein, nicht aufzugeben und das hiess, solange im Laufschritt bleiben, wie es irgendwie ging...Dies soll die nötige Härte für die kommenden Wettkämpfe geben, wo es immer wieder solche Situationen zu meistern gilt.

Und siehe da, mit Müh und Not konnte ich tatsächlich den ganzen Schafberg, ohne einmal zu wandern, hochlaufen. Als ich die Segantinihütte auf 2'750 M.ü.M. errichte, musste aber dringend ein halber Liter Cola (und ein halber Liter Wasser) her, konnte ich mich doch kaum mehr auf den Beinen halten...

Nun wartete nur noch ein heikler Abstieg (400 hm) und anschl. die sanfte Schlusssteigung (100 hm) nach Muottas Muragl auf mich. Dank meiner Zucker-/Koffein-Bombe fühlte ich mich bereits viel wacher und kam ohne Stolperer wieder heil in M.M. an.

Meine Netto-Laufzeit betrug schlussendlich 3h 52 min, es kamen gerade mal 25,4 km zusammen, dafür 2'350 Höhenmeter bergauf und 1'950 Höhenmeter bergab.

Wettermässig erwischte ich den perfekten Tag: Sonne & Wolken, etwas Wind, aber nicht zuviel, und warme Temperaturen; ein toller Tag!

Noch etwas für die Statistiker Lächelnd. In den 14 Tagen kamen folgende Zahlen zustande:

308 Kilometer
12'500 Höhenmeter
30 Stunden 45 Minuten Netto-Laufzeit

Das wars vom "Gastjournalist" 2009. Hat Spass gemacht und ich konnte so schon etwas für Neuseeland üben...

Es wird Zeit, wieder heimzugehen, obwohl es hier oben wie letztes Jahr eine Superzeit war! Mit Thomas hatte ich meinen besten Kumpel hier, das ganze Muottas Muragl-Team ist wie eine grosse Familie und wir haben einige Sportler wiedergetroffen oder neu kennengelernt.

Ich freue mich aber, alle Kollegen und Freunde aus dem Unterland wieder zu sehen, und genau...auf dich, Andrea freue ich mich ganz besonders Lächelnd!

Noch etwas Werbung in eigener Sache. Meine Saisonhöhepunkte stehen an und es würde mich freuen, den einen oder anderen an der Strecke zu sehen:

22.08. Inferno-Halbmarathon
05.09. Jungfrau-Marathon
19.09. Greifenseelauf, Halbmarathon Schweizer Meisterschaft 2009
10.10. Berglauf Langdistanz Weltmeisterschaft 2009 im Tirol

Bis bald...mit den besten Grüssen aus dem paradiesischen Muottas Muragl!

Martin

Thomas:

Mein heutiger Tag ist kurz erzählt. Essen. Faulenzen. Sauna. Essen. Ich habe mich schon wieder recht gut von den Strapazen der vergangenen Tage erholt. Das ist doch ein gutes Zeichen (gewisse Körperteile sind noch etwas lädiert, bevorzuge weiche Sitzunterlagen Zwinkernd)!

Ich möchte nun die letzten 14 Tagen nochmals Revue passieren. Ingesamt ist meine Bilanz wieder einmal nur positiv. Die "Ferien" haben sich auf jeden Fall gelohnt. Muottas Muragl ist einfach für Profisportler, und solche wie Martin und ich, welche gerne Profis sein wollen zumindest so tun (wir trainieren zeitlich mehr als die Cracks, was diese wiederum mit Kopfschütteln quittieren! Lachend), ein Traum. Es herrschen ideale Bedingungen sei es für Läufer oder, wie ich dieses Jahr am eigenen Leibe erfahren habe, für Velofahrer. Ich kann mir sehr gut vorstellen... nein bin mir (fast) sicher im Jahre 2011 wieder zurück zu kommen. 2010 ist das Berghotel leider wegen Umbauarbeiten geschlossen. Weinend Es ist jeweils für 2 Wochen "unser Zuhause". Auch haben wir einen grossen Teil der Sportlerinnen und Sportler schätzen und näher kennen gelernt. Hier die "Promis"-Liste:

Männer:

  • Viktor Rötlin (muss wohl nicht erklärt werden)
  • Abraham Tandoi (Kenianer; Trainingspartner von Vik)
  • Christian Belz (bester CH-Bahnläufer 5000m/10000m)
  • Marcel Tschopp (FL-Marathonrekordhalter)
  • Dominic Zünd (Velofahrer)
  • Martin Jost (Berggeiss und Kumpel) Zwinkernd
  • Matthias Merz (OL)
  • Marc Lauenstein (OL)

Frauen:

  • Petra Henzi (Mountainbikerin; Weltmeisterin und 6. Olympia Peking)
  • Sabine Spitz (Mountainbikerin; Weltmeisterin und Olympiasiegierin Peking)
  • Nathalie Schneitter (Mountainbikerin; Juniorinnen-Weltmeisterin, U23-Vizeweltmeisterin und 15. Olympia Peking)

Wie ich schon erwähnt habe, ist das Personal super freundlich. Seit Jahren arbeiten die gleichen Leute im Service, in der Küche und sogar in der Putzequipe. Dies deutet auf ein gesundes und gutes Klima im Berghotel hin. Und dies spüren wir als Gäste!

Mit meinem Trainingseinheiten bin ich zufrieden, wobei für einmal der "Genuss" mehr als die Leistung zählte. Mein Laufpause dauert ja noch an und mein nächster wichtiger Ernstkampf wird vermutlich erst der Zürich Marathon 2010 sein. Also noch eine lange Zeit um sich vorzubereiten.

Zuerst bestreite ich am 23. August 2009 ein Radrennen namens Alpen-Challenge und werde dafür nochmals in diese schöne Region zurückkehren.

Noch einige Zahlen und Fakten:

  • Gesamtkilometer: 1448,5km (131km pro Tag)
  • Gesamtzeit: 61:40h
  • Pässe: Albulapass (3 x), Flüelapass (2 x), Julierpass, Malojapass, Stilfserjoch, Reschenpass (2 x), Ofenpass (2 x vom Süden und 1 x vom Norden), Passo di Foscangno (2 x), Passo d'Eira (2 x), Forcola di Livigno (3 x), Berninapass (1 x vom Süden, 2 x vom Norden)
  • Höhenmeter: ??? (viele Tausende)

Mein Schlusswort: Mit Martin macht es einfach mega Spass solche "Ferien" zu machen. Jederzeit wieder! Ich kann mir kein besseren Trainingspartner vorstellen (obwohl wir dieses Jahr keine einzige Einheit zusammen machten!). Die Chemie stimmt bei uns einfach. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Mal wieder gemeinsam die Fuorcla's erklimmen können. Ich freue mich jetzt schön auf das nächste gemeinsame Trainingslager, egal wo es statt finden wird.

Gruss noch an die liebe Andrea (Martin hat vergessen, es dir auszurichten Lächelnd!)

Einige Fotos von unserem "Paradies" werden in den nächsten Tagen veröffentlich (Menü Fotos).

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 09. August 2009 um 07:58 Uhr  

Big Event

08.10.2010 - 18:00



Noch

Wetter

Kalender

Son 05 Sep 17:00-20:00
Laufen
Mon 06 Sep 18:00-20:00
Laufen
Die 07 Sep 12:00-13:00
Krafttraining
Mitt 08 Sep 18:00-20:00
Laufen
Don 09 Sep 12:00-13:00
Krafttraining