Am 10. Juli 2010 findet der Zermatt Marathon statt. Das ist einer meiner Lieblingsläufe, wenn nicht mein Lieblingslauf. Ein solcher Wettkampf – 42,2km lang und mit über 1900 Höhenmetern – braucht eine lange Vorbereitung. Viele Trainingskilometer sind Pflicht. Auch den einen oder anderen Berg sollte man vorher erklommen haben.
In der Regel reduziere ich in den letzten 14 Tagen vor einem Marathon das Laufpensum langsam und absolviere vermehrt kurze Intervall- und Steigerungsläufe und immer wieder Ruhetage dazwischen. Spätestens 10 Tage vor dem Wettkampf laufe ich nochmals den letzten, längeren Dauerlauf (120-150min).
Für einmal ist meine unmittelbare Marathonvorbereitung etwas anders ausgefallen. Kein Tapering. Keine Saltin-Diät. Auf meinem Laufprogramm steht noch Ende Juli der Swissalpine K78, welcher nur 3 Wochen nach dem Zermatt Marathon stattfinden wird. Der 78,5km lange Lauf ist das eigentliche Highlight des Jahres. Deshalb verzichte ich auf die Diät. Denn innerhalb von 3 Wochen diese Kur durchziehen, ist doch etwas zuviel des Guten, zuviel für den Körper. Dazwischen werde ich noch einen Umzug vollziehen. Also eine stressige Zeit, aber interessante, spannende und abwechslungsreiche Zeit steht mir bevor.
Den zweiten Teil des Ultramarathons (Bergün-Keschhütte-Scalettapass-Davos) im Bündnerland wollte ich dennoch unbedingt zuvor noch ablaufen. Den ersten Teil (Davos-Monstein-Filisur-Bergün) lief ich während eines Trainingslagers Mitte Juni im Engadin bereits ab. So ging ich am letzten Samstag, also nur 7 Tage vor dem Bergmarathon, mit dem Laufkollege Roland Diem nach Davos. Nach einer rund 45-minütigen Zugfahrt liefen wir in Bergün los. Bei herrlichem Sommerwetter rannten wir der markierten Strecke nach. Bis Chants war es ein Warmlaufen, bevor es ein „Heisslaufen“ wurde. Der Aufstieg zur SAC Keschhütte ist kurz (ca. 4km), aber heftig. Dennoch genoss ich die Gegend sehr, die Natur und die Ruhe, welche nur durch das Rauschen der Bergbäche „gestört“ wurde.

Nach der Keschhütte, dem höchsten Punkt des Ultramarathons auf 2632m.ü.M., ging es via dem berühmt-berüchtigten Panoramatrail zum Scalettapass (2606m.ü.M.). Dieser schmale Pfad hatte es wirklich in sich. Ich hatte mir dies etwas einfacher vorgestellt. Stetiges auf und ab und dies bei teilweise prekärem Untergrund. Man musste ständig auf der Hut sein, um eine Sturz zu vermeiden. Einige Male kam ich ins Straucheln, jedoch ohne zu fallen. Am Scalettapass angekommen, begann das „Schneelaufen“. In dieser Gegend liegt noch sehr viel Schnee und ich bezweifle, dass bis ende Juli aller Schnee geschmolzen sein wird. Roland und ich kämpften uns weiter durch die weisse Pracht. Bereits waren wir über 3 Stunden unterwegs und noch standen uns gut 17, 18 Kilometer vor uns. Im Dürrboden angelangt, wurden die Wege wieder freundlicher. Mir liegt das steile Bergablaufen bei lockerem Untergrund einfach nicht. Noch 14km bis ins Ziel. Unterdessen bekundete Roland etwas mühe. Wir drosselten das Tempo. Nach einigen weiteren Kilometern waren die Batterien meines Kameraden dann komplett leer. Er forderte mich auf den Rest alleine zu laufen. So lief ich noch in einem zügigen Tempo Richtung Davos. 38km. +/-1600 Höhenmeter. 4:30h! Meine längste Trainingslaufeinheit, die ich je absolviert habe. Meinen Freund holte ich später mit dem Auto in Davos Dorf ab. Den Grund seiner Schwäche fand ich am Ende der Heimfahrt noch heraus. Er trank während des ganzen Laufes nur Wasser! Sein 3l-Camelbak war nur mit Wasser gefüllt! Ich konnte es kaum glauben. Er läuft seit Jahren, seit Jahrzehnten und dann dies. Er wird sich sicher bereits ein Produkt von Sponser oder Powerbar besorgt haben… so hoffe ich doch sehr!
Jetzt stehen bis zum 10. Juli 2010 nur noch 3, 4 kurze Einheiten auf dem Programm. Ansonsten viel schlafen und erholen. Ich bin bereit für Zermatt. Die Vorfreude ist sehr gross. Meine Nervosität hält sich noch in Grenzen, aber dies wird sich bis Samstag noch ändern.
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Marathonvorbereitung einmal anders


